— 692 —
dich Gott, und sei muthig, scheue weder Pistolen noch Degen, und wisse daß wanndu nicht Gelegenheit dazu gegeben dich Gott vor allein Nebel bewahren wird, unddu wirst gewiß den Platz behalten, so lange du aber dieses Extremum nnt Ehrenvermeiden kannst: so vermeide es allezeit.
Sind deine Studia vorbey unter Gottes Beystand, so hast du deine Freiheiteinen Stand v. Emploi zu erwählen, so dir gefällig, nur bedenke immer, wozudu capable bist, und daß du ein geringes Vermögen dereinst von mir zu gewarthen,und ich dir bei meiner Lebens-Zeit nicht viel geben kann.
piermit will ich dich dann der Gnaden Obhut, Leit- und Führung dergnädigen pand Gottes, überlassen, halte dich feste an solchen, und alsdann kannstdu auch versichert seyn, daß es dir wohlgehen wird, daß ich dich herzlich lieben,und dich werth halten, auch dein treuer Vater seyn und bleiben werde.
Tilsit, den 8. Zulii s?72. I. C. L. r. EberA'tcin.
lilse, 1772. NIein lieber Sohn! So angenehm nur Dein Schreiben
vom 2s. Aug. in Ansehung Deiner glücklichen Ankunft in Leinungen war, sowundere mich doch gar sehr, daß Du Deine Reise so ganz mit Stillschweigen über-gehest; dann wir in recht vieler Sorge gewesen, weil wir nach Eurem Bericht vonDanzig aus Tuch viel früher in Leinungen vermutheten und daher auch eherNachricht erwartet haben. N)o habt Zhr Tuch dann so lange ausgehalten? undist es bei Eurem Vorsatz, aus der Post zu gehen, nicht geblieben? Deine Nlutterund Geschwister grüßen Dich, sie sind alle gesund und hoffen durch öftere Nachrichtvon Deiner Gesundheit, von Deinem Fleiß aus der ^.eaäsnük, von Deinem IVachs-thum in Tugend und Gottesfurcht, erfreuet zu werden, sowie ich es auch hoffe.Lasse Dich doch ja nicht von Deiner Lust, zu denen der Zugend so reizenden Ver-gnügungen hinreißen, damit Du an Gutem zu wachsen Dich nicht hinderst. Zchkann Dir meine Furcht davor nicht bergen, weil ich Deine Leidenschaften kenne undnoch erst nach Deinem Abschied zum Theil erfahren habe. Du weißt, daß ich Dichliebe, und dieses ist der wahre Grund, warum ich Dich gerne auf dem IVege habenmöchte, welcher zur Tugend zeitlicher und ewiger Glückseligkeit führet und welchenDu auf keine andere IVeise erreichest, als wann Du Gott feste an der pand hältst,das ist Gott liebest, ehrest und fürchtest und also ihn stets vor Augen und im lherzenhabest auf die vsollo Art, welche Dir nicht unbekannt ist.
Zch bin es wohl zufrieden, daß Du den Anfang in Leipzig machest; Gottgebe Segen und Gnade zu allein, was zu Deinem Besten gereichet. Schreibe mirnur, wo Zhr loZiret und wo ich Euch schriftlich oder auch wohl persönlich findenkann, und wann Du künftig schreibest, so nimm Dir etwas Zeit und setze dasFlüchtige so lange auf die Seite, damit der Brief auch das Postgeld werth ist.
Daß Du bei dein prn. Ober-Aufseher gewesen, ist mir recht lieb und an-genehm, und so oste Du Eis leben passirest, so vergesse nicht Deine Auswartungzu inachen, doch daß Du ihn nicht iueormuoäirest durch laiiges Verweilen, wie esdoch die Noäostük von selbst lehret. N)as Du von den Nieinen schreibest, glaubeich uicht, und doch würde Dich solches nicht wundern, wann Du die IVelt känntest.Nkan muß von der Freundschaft heutiges Tages nicht zu viel fordern, sondern inallen Sachen äiserstüon haben. Genug, wann wir es so weit bringen, daß unsniemand übel will. Es ist jetzt alles, was man hoffen kann und wornach mansich nur bemühen soll. Die Sachen mit des Gras seinem Schuldenwesen werdenviele Verwirrung machen, das sehe ich voraus, indeß muß man die alten Fa-milienverträge so viel möglich suchen geltend zu inachen und selbige zur Grund-basis legen, sonsten ist alles gethan. Leinungen kann absolut, nicht in fremdepände gelassen werden ohne völligen Ruin der Familie, allein wer kann es an-nehmen? und on (lonmmnion gebe ich keinen Groschen dazu. Die Zeit und Nm-