K63
und überschwemmten in der Folge trotz der glänzenden Siege Friedrich'S bei Noß-bach (5. Nov.) und bei Zeuthen (5. Dez.) die nördlichen Provinzen und drangen bisBerlin vor. Zunächst rückten die Russen am 30. Juni vor Memel und zwangen am3. Juli den Platz zur Übergabe. Die Russen bezogen am 28. Aug. ein Lager beiNorkitten; am 3Ü. Aug. lieferte ihnen bei Groß-Jägerttdot'f der FeldmarschallLehwald eine Schlacht, die er aber verlor, weil er das russische Centrum irrthümlichfür den linken Flügel gehalten hatte. Die Kavallerie hatte indessen auf beiden Flügelnausgezeichnete Erfolge errungen, namentlich das gegen den rechten Flügel der Russenbei Wopnothcn vorgehende in der Brigade des General Plathen befindliche Regi-ment Plettenberg. Dahingegen wurde die gegen das Centrum vorgehende Infanterieüberflügelt und in Flanke und Rücken gefaßt. Obgleich Sieger, zogen sich die Russenüber die Grenze zurück. Dieser Rückzug wurde aber unter Vcrübung der unerhörtestenGrausamkeiten vollbracht; auch Tilsit") wurde bombardirt.
Als nun aber die auf den Tod erkrankte Kaiserin Elisabeth gegen Ber-muthen wieder genas, setzte sie Apraxin ab und ließ seinen Nachfolger Feld-marschall Grafen Fermor sofort wieder gegen Preußen vorrücken. Mitte Januar1738 zog derselbe nach Königsberg, besetzte es am 22. Januar und ließ am 24. dieganze von Truppen entblößte Provinz der Kaiserin huldigen. Mittlermeile war dasLehwald'sche 25 000 M. starke Corps auf des Königs Befehl nach Pommern gegendie vorgedrungenen Schweden gegangen, hatte diese noch vor Ende Dezember gezwungen,sich unter die Kanonen von Stralsund zurückzuziehen, und hatte dann in schwedisch-Pommern Winterquartiere bezogen. Das Dragoner-Reg. Plettenberg stand in derUmgegend von Stralsund. Im März 1738 gab der kränkliche Feldmarschall Lehwalddas Kommando an den Generallieutenant Grafen Dohna. Da nun aber die Russenin: März Elbing besetzten, und bis an die Grenzen Pommerns und der NcumarkStreifzüge unternahmen, so verließ die preußische Armee am 13. Mai die Winterquartiereund zog sich zunächst in zwei Lager zusammen, bei Falkcnhagen und bei Püttesin letzterem war das Regiment Plettenberg), und am 6. Juli in ein einziges beiSchwedt. Um den Russen den Übergang über die Warthe streitig zu machen, wurdena. a. die Dragoner-Regimenter Plathen und Plettenberg nach Landsberg detachirt,woselbst 17. Juli Stellung genommen wurde. Nachdem diese Abtheilung wieder zudem den auf Frankfurt rückenden Russen entgegen nach Lelms marschirenden Haupt-corps gestoßen war, wurde 6. Aug. ein Lager bei Frankfurt bezogen. Da indessendie Russen sich nach Landsberg a. d. Warthe und in der Richtung auf Küstringewandt hatten, wurde zu ihrer Beobachtung das Dragoner-Reg. Plettenberg zc. nachReppen abgeschickt, bis wohin einige leichtere Gefechte vorfiele».
Am 10. Aug. brach nun der König selbst aus dem Lager bei Landshut inBöhmen mit 14 Bataillonen und 38 Schwadronen auf, um sich mit dem GrafenDohna zu vereinigen. Den 15. Aug. erschien der russische General Fermor vorKüstrin und legte die Stadt in Asche, ohne die Festungswerke beschädigen zu können;er hob deshalb die Belagerung ans und lagerte mit 50 000 M. bei Zorndovf.Nach Vereinigung mit Graf Dohna setzte sich der König am 22. Aug. unt 30 000 M.in Marsch, überschritt am folgenden Tage die Oder und griff am 23. Aug. dieRussen an. Seydlitz erzielte durch sein plötzliches Eingreifen den Ausschlag gebendenErfolg, daß die russische Kavallerie über den Haufen, die Infanterie zurückgeworfenund in Kürze der ganze rechte Flügel vernichtet wurde. Die Regimenter Plathenund Plettenberg waren in vollem Trabe durch das brennende Zorndorf hindurchgegangen; das Regiment Plettenberg setzte seinen Marsch nach dem linken Flügelfort, hieb ein, bemächtigte sich einiger Kanonen und verschaffte der geschlagenen Jn-
*) Hicrselbst hatte Karl seine Familie zurückgelassen; seine Frau war der Sicherheit wegen ansein Gartenhaus auterhalb der Stadt an der entgegengesetzten Seite, auf welche das Bombardement er-folgte, gezogen und sie blieb mit den Kindern während desselben im Garten unter freiem Himmel.Der damals 4jährige Sohn Wilhelm berichtet in seiner Autobiographie über das Krepiren einerBombe, deren Stücke im Bogen nach allen Seiten über die im Kreise herumstehenden Kinder hinweg flogen