— 598 —
aber liebe Hr. Schwester, bedenken Sie, ob er sich nicht schämte, daß ihn so klägl.angetroffen." Summa, ich suchte alles auf mich zu ziehen und sie zu besänftigen.Nach einer Stunde bäte sie, mir zu erlauben, daß allein zu ihm dürfe; aber nein,der Pater mußte mit gehen. Als an die Thür klopfte, riegelte er abermalen auf,nahm die Aapp ab. Als er den Pater sähe, versetzte er mir: „Ihr sehet ja, daßhier nichts zu reden, saget oder schreibet ihnen in Sachsen, sie möchten alles halten,als sie's bis dahin gehalten; was ihnen recht, sollte ihm auch recht sein, in dein Zu-stand brauchte er nichts, er dankte nochmalen vor das Andenken, vielleicht ändertees Gott wohl eher, als ich glaubte, es geschehe ihm ein Gefallen, wenn hier nichtsmehr sagte, denn hier brauchte er nichts, es wäre hier nicht schicklich w. Summa,er bat mich so alles zu lassen und nichts mehr zu reden, ich sollte mich zufriedengeben, ich hätte ja alles angesehen; damit befahle ihn Gott und ging weg mitsolcher Wehmuth, daß nicht genug sein Aicheil zu beklagen. Sie ist aber vergnügt rc.Als ich sagte, wenn er mein Asiann wäre und sähe ihn so kläglich von Ghr undalles gebracht, ich verzweifelte. Das lacht sie, sagend, was sie sich um eines Narrenlänger ängstigen sollte. Ich bäte, sie möchte doch machen, daß er aus dem Arrest
käm, und den freunden lieber wieder geben, ich wünschte es den Aurfürst
vorstellen zu können; versetzte sie, wollen Sie ihn haben und mit dem Aurfürsten . . .,so will's einrichten, daß Sie ihn morgen sprechen. Andern Tags führte sie mich zudein D. v. Viersel:, Gberstallmeister allda, dem erzählte sie's und daß ihn los habenwollt; versetzte der, wenn ich Bürge sein könnte, daß er nichts anfing, sich oder einenandern umbrächte oder sonsten was ansinge, so könnte es geschehen. Zch sagte, erwäre kein Narr, aber es Hilsts alles nichts, er soll ein Narr sein, denn er soll sieannehmen und das thut er nicht rc. Gr hat jemand im Verdacht, das er und ichnicht sagen dürfen. Dieses muß noch melden: als ihr und L. Viereele sagte, beidiesem pro ob oonkru Diseour ließ ich mir einfallen, ein Vorschreiben vom PrinzTaver in Sachsen oder Aönig von Preußen durch meinen Bruder (in Tilsit) zu er-halten, daß er los käm :c., gab sie zur Antwort in harter Rede, „das hoffe nicht,das fehlet mir noch, die Dalbergische Familie hat so Verdruß genug, bin ich nichthier und am Aäenßer chof durch seine Alutter genug bloßgestellt worden, wollen Siemich noch an die pöfe austragen lassen, so sage Phnen alle Freundschaft auf."Gr traut nicht aus seiner Stube zu gehen, noch zum Abendmahl oder zu ihrerWesse, denn er saget zu den Paters, er habe die Bibel gelesen, die liefe er noch, erglaubte an Gott, der pimmel und Grde gemacht, und also, er brauchte ihrer nicht ec.Gr hat ein Feldbett wie ein Soldatenlager, sehr elend, ein klein Gfcnchen, ( hölzern
Stuhl, ( alte hölzern Tisch klägl giebt der Aurfürst jährlich (500 ff.
vor sie und Ainder und 50V ff. vor seine Unterhaltung; sie hat ihn ins Alosterjährl. vor (00 Thlr. veraccordirt. Gr jammert mich. Aönnte man's beim Aönigdahin bringen, daß er loskäm. Wo sie's verhindern kann, thut sie's denn sie alleam pof glauben sollen und ausgesprengt wird, er wäre ein Narr. Sie sagen alle,wenn er gescheit und ihr und den Aindern als Vater vorzustehen wüßte, so käm erlos, denn er nichts gethan oder der Aurfürst ungnädig sei; sie setzte zwar hinzu, erhabe der Aurfürstin zu begehren ersuchet, auch ihr Billets geschrieben, ihn so glück-lich zu machen, so aber die Aurfürstin nicht angenommen. Als das nicht glaubenwollte, sich so vergessen zu haben, sagte sie, daß sie Oopia der Billets unter seinenPapieren gefunden. Als solche zu sehen begehrte, sagte sie, solche verbrannt zuhaben. Gr ist jederzeit mit Ghrfurcht angefüllt gewesen. Gott erbarme sich seinerSeel und Leib.
Bei nun Ablauf des Jahrs cmpf. Guch und die Gurige in Gottes Schutz :c.Guere liebe Tochter Lotte werdet Ihr gesund angetroffen und glücklich übcrbrachthaben, ich küsse sie und Frln. Nettche in Gedanken ec., behaltet mich lieb undglaubet, daß zeitlebens sein und bleiben werde meines lieben Bruders ergebensteDienerin v. Aussein.
Gichen, 23. Xbr. (763.