Druckschrift 
Der Stifter der noch bluehenden Neuhaeuser Linie Christian Ludwig von Eberstein und seine Nachkommen
Entstehung
Seite
549
Einzelbild herunterladen
 

Nach dem Tode des Ober-Jägermeisters v. E. wurden drei seiner Kinder1r Ehe (Charlotte, zuweilen auch Johannette gerufen sgeb. 22. Mai 1714s,Amalie sgeb. 8. März 1717s und Karl sgeb. 4. Mai 1719s) zu ihrer Großmutter,der alten Frau von Büring, auf das Gut Eichen gebracht. Die jüngste TochterChristiane (geb. 19. Juni 1720) nahm ihre Stiefmutter zu sich. Wie es denKindern auf dem Eichengute erging, erhellt aus dem Schreiben des Hrn. L. Stich,eines gewesenen Dieners des verstorbenen Ober-Jägermeisters, an den Grafen v. E.Nr. 399.

Hochgeborner Reichsgraf, gnädiger Graf und Herr! Ewer hochgräfl. lZxaczllsu?habe ich aus besonderer tragenden Veneration zu dem lübarskainischen Hause und dessenhinterlassenen Pupillen von weiland Dero Herrn Brüdern, Herrn Carle Freiherrnvon lülierslein sel., nicht umhin gekonnt, wahre Nachricht hierdurch untcrthänigeinzusenden, was gestalten mit denen armen Waisenkindern in denen Eichen verfahrenund selbige von ihrer Frau Großmutter Frau von Büring traktiret und gehaltenworden. Zumalen da solche nicht ihrem adeligen Stande gemäß verpfleget, wie einsolches wohlen sein und von der Frau von Büring nach ihrem Gewissen zu thunerheischet werden könnte, als verbindet mich mein Gewissen und müßte mich dergrossesten Sünde zu thun befürchten, daß als ein jederzeit treu aufrichtig gewesenerDiener von Dero Herrn Brudere, Herrn Ober-Jägermeister sel., solches Beginnenmit Stillschweigen vorübergehen und Ewere Lxesllöii^ ein solches nicht nach Wahr-heitsgrnnd offenbaren sollte, um hierdurch denen armen Pupillen bei Ewer hochgräfl.lüxooll. einen kräftigen Beistand und Hülfe zu prokuriren und um selbigen der KinderBestens halber unterthänig zu bitten, in Betracht, da weder die Frau Wittib (Karl'sv. E. 2. Frau) noch Herr von Nord eck (der Witwe v. E. Beistand) solches zu thunsich unterfangen wollen aus rk^arcU mau möchte vielleicht glauben oder sich immaKiniron,daß sie solches aus einer habenden Passion gegen die Frau von Büring thäten,welches doch in Wahrheit nicht also, sondern selbige vielmehr der Kinder Bestes inallen Stücken, wie sie auch Namen haben mochten, sich herzlich anwünschen. Um aberEwer hochgräfl. ltlxakll. die wahre Beschaffenheit unterthänig vorzustellen, so habe nichtallein erstl. von der Frau Wittib ihrem Kutscher Johannes Kellern sowohl, welchergestrigen Tages die Frau von Büring in die Eichen gefahren, auch wiederum mitzurückgebracht, vernommen, sondern auch überdeme von vielen anderen ehrlichen Leuten,wie dann ein solches schon stadtkundig und im ganzen Grund Burbach offenbar, ver-nehmen müssen, und zwar zu größestem Leidwesen und Bedauern, daß die Kinderzweitens sehr schlecht bekleidet zc.; drittens auch mit Kost und Trank so miserabelverpflegt werden und zu befürchten, ihnen hierdurch eine Krankheit zustoßen möchte,maßen sie fast ohne Salz und Schmalz essen müßten, welches sie dann gar nicht ge-wohnet zc., keine Speise vor Gesunde, will geschweige» vor solche zart auferzogeneKinder, das Wassertrinkcn ihnen auch sehr hart, da ihnen ein solches überflüssig, dasBier aber ihnen hiergegen sehr sparsam gereichet wird, der Junker Carla ihme,Kutscher, auch begegnet zc., sondern letzlich viertens gäben die Eicher Hofleute auchzwarcn dann und wann denen Kindern etwas Milch zu ihrer Nahrung, aber siemüßten dieses alles heimlich thun, damit es ihre Großmutter Frau von Büring nichterführe, welche dieses nicht leiden wollte zc., welches dann auch die älteste FräuleinCharlottchcn zu sagen bewogen, gegen die Hofleute, sie wären adelige Kinder, esginge aber anjctzo ganz verkehrt bei ihnen her zc., die Hofleute wären Bauern undlebten gegen sie zu rechnen als Edelleute, es wäre nicht zu verantworten; wann sichihr Herr Ohm, als Jhro hochgräfl. lilxe. ineinende, sich ihrer in ihrem Elende nichtannehmen thäte, und so wären sie ja verloren und verdorben. Aus diesen erzähltenUmständen nun werden Ewere hochgräfl. llxesll. ersehen können, ivie es denen armenKindern in denen Eichen bei ihrer Fmu Großmaina gehet zc. Worüber in alleinunterthänig ein tragendem Respekt und Veneration verharre Hochgeborner Reichsgraf,gnädiger Graf und Ewer hochgeboren Gnaden meines gnädigsten Grafen und Herrnunterthänigster Knecht. Dillenburg, den 20. iUartil 1726. k,. Ltivli.