Druckschrift 
Folge 5 (1885)
Entstehung
Seite
417
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Was den zweiten Begleiter Dalberg'« anbelangt, so war derselbe am Sil, Ang.1806 nach dem Ableben von Heimes zum Wcihbischof und wirklichen geheimen geist-lichen Staatsrath ernannt worden, in welcher Stelle er nicht minder als der Vor-genannte seinem Fürsten treue Dienste leistete.

Von Ebcrstcin liegt bei den bereits erwähnten, ans der hiesigen Stadt-biblivthek verwahrten Akten ein ausführliches Memoire über die Pariser Reisevor, an dessen Hand ich die folgenden Ereignisse vortragen werde."

Da mir dieser Umstand bekannt war, so wandte ich mich dieserhalb an diegroßh. Hess. Bürgermeisterei der Provinzial-Hanptstadt Mainz nnd erhielt inderen Auftrage von dem Stadtbibliothekar Herrn vr. Belke nachstehenden Briefvom 19. Sept. 1884.

Sehr geehrter Herr! Erst heute kann ich Ihne» auf Ihren an die großh.Bürgermeisterei gerichteten Wunsch, über die hier dcponirten v. Eberstein'schen Archivalienzur Geschichte des Rheinbundes Auskunft geben; die sehr zeitraubende Durchsicht derselbenhat eine frühere Beantwortung nicht gestattet.

Eigentlich historisches Material befindet sich unter den Akten wenig, obgleichdieselben einige 7V, zum Theil allerdings nur wenige Blätter umfassende Fascikelfüllen. Gerichts- nnd ähnliche Ordnungen, Flugschriften aus den neunziger Jahren,welche wohl gedruckt sein werden, sehr viele Gutachten über jetzt gegenstandlose Dinge n. a.sind vorherrschend, wenige Briefe an Dalberg sind zufällig zwischen die Papieregerathen, ohne daß der Minister v. Eberstein mit denselben in Verbindung zustehen scheint. In Betracht kommen könnte nur der Entwurf eines Fi,ildamental-statnts des Rheinischen Bundes nnd eingehende Erörterungen desselben, außerdem der„Bericht über meinen Aufenthalt in Paris von August 1807 bis März!808." Das Wichtige auch aus diesen Schriften ist bereits veröffentlicht von Bockcn-heimer „C. Th. v. Dalberg's Aufenthalt in Paris 1807—1803," nnd der Berichtselbst wird ausführlich, soweit er irgend ein Interesse bietet, für das demnächst er-scheinende Heft der Zeitschrift des hiesigen historischen Vereins bereits gedruckt?c,"

Dalberg verließ am 4. Aug. 1807 in Begleitung zweier Kammerherru,des Obersten von Rodenhausen nnd des Oberstlts. Frhrn. v. Jungken, seineneue Residenz, um über Köln und Brüssel nach Paris zu reisen, während amselben Tage Ebcrstcin, Kolborn nnd der General v. Pfürdt dieselbe Reiseüber Mainz und Metz antraten. Wenige Tage nach der am 10. und 11. Aug.erfolgten Ankunft in Paris, so erzählt Ebcrstein, versprach der Kaiser demFürsten Primas, die deutschen Angelegenheiten ehestens vorzunehmen nnd mög-lichst bald zu beendigen. Dalberg übergab alsbald dem Kaiser eine Entwick-lung seiner Gedanken nach allgemeinen Umrissen in einem kurzen, selbstverfaßtenMemoire, das der Kaiser zu prüfen zusagte.

Inzwischen machte sich Eberstein an den für die deutschen Angelegen-heiten bestellten nnd am meisten damit vertrauten Divisionschef cks In Usrinri-ckwro, eine aus den Schilderungen Gagcrns und Müllers hinreichend bekanntePersönlichkeit. Ihm legte Eb erst ein einen aus eigner Initiative hervorgegan-genen Entwurf eines Fundamcntalstatnts vor und debattirte denselbenmit ihm Punkt für Punkt.

Wäre dem Rheinbünde überhaupt durch eine Verfassung zu helfen gewesen,so wäre die projektive nicht die schlimmste gewesen, denn in vielen Stücken hältsie den Vergleich mit der Bundesakto vom Jahre 1815, aus, in manchen über-trifft sie dieselbe. Dieser Entwurf aber ward nie dem Kaiser zur Prüfungunterbreitet, indem Dalberg, nachdem ihm einmal der Kaiser in Bezug aufdie deutschen Angelegenheiten gesagt hatte: U ri'on sst xas oneor« lo tsmps,nicht mehr den Muth fand, von neuem mit Projekten vorzutreten. An dembereits zur Abreise bestimmten Tage erschien Dalberg noch einmal bei dein ll,svordes Kaisers, um sich von ihm zu verabschieden; wiederum ertheiltc ihm derKaiser, indem er sein Bedauern über die rasche Abreise des Fürsten zu erkennengab, die Versicherung, daß er sich der obschwebendcn Angelegenheiten annehmennnd dieselben in gleicher Weise, als wenn der Primas zugegen wäre, erledigenwolle. Nach allen Richtungen hin war die Thätigkcit Dalberg's in Pariserfolglos geblieben.

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