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Folge 5 (1885)
Entstehung
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372
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Feldscheer unter Friedrich dem Großen, sich zu freiwilliger, ärztlicher Hülfe ein-gefunden hat. Auf ciuer mit Stroh belegten Schubkarre wird dann Gustavam 9. Sept. nach Potsdam trausportirt in das Haus eines Konccrtmcistcrs,dessen Töchter sich blessirte Offiziere zur Pflege ausgebctcn haben. Hiersclbstden andern Tag zum Bewußtsein gekommen, findet er sein Bett umgeben vondiesen drei jungen Damen, von denen die Eine in Ungewißheit über das Schick-sal ihres in der Schlacht ebenfalls cngagirt gewesenen Bräutigams in Thräncnzerfließt, die andere ihm etwas auf dem Pianoforte vorspielen will und diedritte von Hcirathen zu sprechen beginnt. Als nun Gustav, bei dem sich nun-mehr Wundfiebcr eingestellt hat, infolge dessen er in 6 Wochen fast kein Augezuthnt und in diesem Znstande ihm die leiseste Erschütterung entsetzliche Schmerzenverursacht, die jungen Damen bittet, ihn doch der Ruhe zu überlassen, und a. a,auch erklärt, daß er in solcher Verfassung an Heirathen unmöglich denken könne,wird er unter großer, die Schmerzen enorm steigernder Umständlichkeit in dasNebcnhaus ausquartirt. Bei Gustav's gesunder Konstitution und reinen Säftennahm die Heilung der Wunde insofern einen guten Verlans, als kein Brand,vielmehr baldige Vernarbung eintrat; freilich konnte nicht verhindert werden, daßder rechte Fuß nach und nach hinten bis in die Gegend des Kreuzes in dieHöh gezogen wurde, denn das Eiscnstück hatte beim Durchschlagen des Mnskcl-flcisch'cs sich gedreht, ein großes Loch gerissen (sodaß man ein Bierglas hättedurchstecken können) und obendrein die eine Sehne ganz, die andere halb durch-gerasten. Als sich nun eine Kur durch Gebrauch einer heißen Quelle als noth-wcndig erwies und Gustav den Transport dahin wagen durfte, begab er sicham 1t!. Dez. ans die Reise nach Töplitz. Auf dem Wege dorthin besuchte erseine Mutter und Schwestern in Dresden und reiste erst am 12. Januar 1814nach dem Bade weiter. In Töplitz blieb er bis zum 8. Februar. Nach 8 Tagelangem Kurgebrauch verspürte Gustav, der sich nur mit Hülfe von Krücken be-wegen konnte, schon wcfentliche Besserung, sodaß er eine große Armkrücke ab-legen konnte und dafür nur eine Handkrücke nöthig hatte. Nach abermals8 Tagen konnte er auch die zweite große Krücke ablegen und bewirkte seine Be-wegungen nur noch durch zwei .Handkrücken. Nach abermals 4 Wochen hattensich die Sehnen und Muskeln des rechten Fußes wieder soweit gedehnt, daßletzterer zwar noch verkürzt, doch aber wieder sich in natürlicher Stellung befand.

Auf der Rückreise kehrte Gustav wieder im mütterlichen Hanse zu Dresden(der Vater war 1811 ch) ein. Hierselbst befand sich gerade sein in englischenDiensten stehender Bruder Franz auf Urlaub. Beide Brüder hatten sich bisdahin seit Gustav's Eintritt in die preuß. Armee (1798) nicht wieder gesehen.Es war daher wohl natürlich, daß Franz seinen infolge der Verwundung wohlauch recht leidend aussehenden Bruder nicht sogleich wieder erkannte. Da nunbei Gustav's Ankunft Franz augenblicklich nicht anwesend gewesen war, hattensich die Schwestern, Emilie und Lottchcn, den Scherz ausgedacht, ihrenBruder Gustav bei Franzens Rückkehr als einen eben bei ihnen ein-quartierten blessirten französischen Offizier auszugeben. Franz, der den Gustavin seinem Zimmer und Bette findet, gerätst in seinem adoptirten und ihm sozusagenin Fleisch und Blut übergegangenen englifchen Special-Patriotismus und in seinerFeindschaft gegen alles Französische in aufbrausende Aufregung und ist nahedabei, den angeblich französischen Offizier zu fordern, weil sich derselbe der vonFranz beanspruchten Ilmquartiernng widersetzt. Endlich erkennt infolge des ver-rätherischen Lächelns der jüngeren Schwester Franz seinen Bruder. Nach acht-tägigem Aufenthalte bei seinen Verwandten in Dresden reiste Gustav am 15. Febr.zunächst nach Berlin und kehrte von da am 6. März zu seinem damals inOstendc stehenden Regimente zurück und nahm Theil an allen Affairen des-selben.

Gustav, der bereits am 17. Aug. 1812 zum Premier-Lieut. ernannt wordenund am 23. Nov. zum Stabs-Capitain avancirt war, auch mittlerweile durchVerleihungs-Urkunde vom 21. Okt. 1813 das Eiserne Kreuz 2. Kl. erhalten,