, ?NT-?
— 339 —
dronen und einem Freibataillon zu einer Recognoscirung gegen Ruppendorf; derselbevertrieb die Kroaten und Jäger ans dem Gehölz und von den Bergen und warf aucheinige 100 Husaren und sächsische Dragoner, die bei Kunersdorf standen, über denHaufen, schlug sie dann nochmals zurück und trieb sie bis ans ihr Lager. Nachdemdie Stellung des Feindes hierdurch erkannt war, zog sich der Major v. Ebersteinmit seinen Truppen, ohne verfolgt zu werden, durch den Hohlweg von Klingeub ergzurück, worüber ihm sowohl, wie auch dem Regiments Se. Königl. Hoheit seinenBeifall zu erkennen gab; der Prinz ließ außerdem einem Wachtmeister, der sich sehrausgezeichnet, aber die ihn, angetragene Lieutcnants-Stelle ausgeschlagen hatte, 100Thlr. als ein Gnadengeschenk auszahlen.
In der Nacht auf den 3V. Sept. verließ die Armee das bisherige Lager undbezog ein neues auf den Höhen bei Freibcrg. Das Tilsiter Drag.-Reg. bekamseine Stelle auf dem linken Flügel in dem ersten Treffen dicht an der Infanterie; dieMulde nebst der Schmclzbrücke war vor der Fronte und Loßnitz im Rücken. Nachdemder Feind schon am 14. Okt. die Feldwachen und Vorposten aber erfolglos beunruhigthatte, wiederholte er den Augriff am iSten morgens 8 Uhr, ein starkes Corps stelltesich auf den Höhen von Krumm-Henuersdorf, Falkenberg und Hilbersdorf auf, führteBatterien auf und beschoß sehr heftig den durch 3 Schwadronen von Major v. Eber-stein's Regiment gedeckten linken Flügel. Die 2 anderen Schwadronen des Regimentsdeckten die Jnfanterieposten an der Meißner-, Hammer-, Hals- und Schmelz-Brücke.Gegen letztere zog sich Nachmittags eine Menge Tyroler Scharfschützen, Kroaten undGrenadiere durch die Gesträucher und zwischen den Schachthalden hindurch. Als derMajor v. Eberstein solches bemerkte, ging er mit 2 Schwadronen zwischen Tuttendorfund der Schmclzbrücke durch eine Furth über die Mulde, hieb auf die Kroaten ein,trieb sie zurück und machte 73 Gefangene. Der rechte Flügel bei Brand hatte nichtso glücklich gefochten, so daß die Armee bei Einbruch der Nacht den Rückzug nach Rcichcn-bach und Klein-Voigtsberg antreten mußte, wobei das Ebersteinische Regimentabermals die Arrieregardc der Kolonne des linken Flügels bildete, bis Nachts 1 Uhrzur Deckung des Abmarsches der Infanterie auf den Höhen stehen blieb, alsdann dieFeldwachen an sich zog und der Kolonne durch Loßnitz und Klein-Waltersdorf folgte.Während der Nacht war der Marsch ganz ruhig; gegen Sonnenaufgang aber wurdedas Regiment vor dem langen Defilee von Klein-Waltersdorf von Ulanen und sächs.Dragonern angegriffen. Es hatte kein anderes Soutien als 200 Mann von einemFreibataillon, die noch diesseits des Defilees waren und 4 Kanonen, die jenseits des-selben auf einer Anhöhe standen und mit Bogenschüssen auf die Ulanen feuerten.Major Eberstein verlor jedoch in dieser mißlichen Lage die Geistesgegenwart nicht.Vor den Augen eines überlegenen Gegners „Kehrt" zu machen, Rottenweise abzu-schwenken, um durch das Defilee zu gehen, war gefährlich und hätte den letztenSchwadronen großen Verlust zuziehen können; statt also sein Heil in der Flucht zusuchen; griff er vielmehr selbst an, trieb die Ulanen zurück, und als die herankommendensächsischen Dragoner hierdurch zum Stutzen gebracht wurden, nahm er den Augenblickwahr, machte schnell Kehrt und ging im Trabe und in der größten Ordnung, ohneeinen Mann zu verlieren, durch das Defilee. Mehreren Dragonern wurden zwar diePferde unter dem Leibe erschossen, sie schloffen sich aber an das Freibataillon an undzogen sich mit diesem zurück. Der Major Eberstein erhielt den Verdienstorden.
Nachdem der Prinz Heinrich das Lager nach Marbach gelegt hatte, so aber, daßder rechte Flügel bis Etzdorf und der linke gegen Nossen und Augustberg reichte,kamen die Ebersteinischen, sowie die Plathen'schen Dragoner der eingetretenenrauhen Witterung wegen vom 24. bis zum 28. Okt. in Breitenbach und die Infanteriedes Avantcorps in Siebenlehn in Kantonnementsqnartiere. Am 28sten aber marschirtedas Regiment des Majors v. Eberstein über Seifersdorf nach Braunsdorf zurKolonne des rechten von Seydlitz kommandirten Flügels und blieb die Nacht über ineinem Walde, in welchem der Nähe des Feindes wegen kein Feuer gemacht werdendurfte. Der Prinz Heinrich rüstete sich zu einem Hanptangriffe auf die bei Frcibergim Lager stehende Reichsarmee und das mit ihr verbundene östreichische Corps. Nachseiner Disposition sollte die linke Flanke des Feindes umgangen werden und der Haupt-angriff in der Gegend von Brand geschoben; die Fronte sollte durch Scheinangriffebeschäftigt werden. Die Armee brach früh morgens auf. General Kleist mit seinenHusaren und seiner Legion, 2 Freibataillonen und dem Dragoner Regiments desMajors v. Eberstein bildete die Avantgarde, unterstützt von der Grenadier-Brigadedes Generals Queiß. Hierauf folgte Seydlitz mit seiner Abtheilung. Der Marschging über Wegefurth und Ober-Schöna nach Micheln, woselbst die Kleist'sche Abtheilungauf ein Bataillon Kroaten und Reiterei von der Reichsarmee stieß, solche angriff und
22*