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Folge 5 (1885)
Entstehung
Seite
321
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und da nun Karl v. Eberstein auf den mit seinem Morunger Bruder ver-abredeten Wiederkauf bezüglich seines Gutes Horla in der Kürze, außer Zurück-lassung von 6000 Mfl. Lehnstamm, 5000 Mfl. baar ausgezahlt bekommenfällte: so cedirte ihm schon nach 8 Wochen der Fürst Wilhelmseinen" Zehnten,freiadclige Burg und zugehörende Pertinentien und Gerechtigkeiten zu Löhn -berg wieder mit der Verpflichtung, die von 1>r. v. Gülchen bereits darauf ge-zahlten Summen diesem baar zurückzuzahlen. Obzwar nun Karl v. Ebersteinhierauf Löhnberg auf 6 Jahre verpachtete, so trat er es dennoch schon nacheinem halben Jahre wieder an vr. o. Gülchen ab, einmal weil ihm daranlag, jede Beziehung zu demselben zu tilgen, dann auch weil er sah, daß die Er-haltung und Melioration des Gutes Eichen schon seine Mittel voll in Anspruchnehmen werde.

Ilm sich und seinem Sohne nun dies freie reichsritterschaftliche Gut Eichensicher zu erhalten und auf jede Weise zu melioriren, schritt er im Nov. 1721zu einer zweiten Ehe mit Wilhelmina Charlotta Philippina, der Tochterdes sehr vermögenden Heinrich Ernst Freiherrn v. Quernheim zu Langen-Dernbach. Nunmehr glaubte er auch seine ganze Lebenshaltung auf höherenFuß einrichten zu können. Zunächst kaufte er und seine zweite Gemahlin vondem Fürsten Wilhelm ein vor der Stadt Dillenburg gelegenes freiadeligesHaus nebst Gärten und einer Wiese. Da ihm das vorhandene Haus nicht herr-schaftlich genug war, so ließ er mit einem Kostenaufwande von 10000 Thalernein neues, wohlgebautes, schönes und kostbar mit Mobilien und Hausrath nachaller Erfordernis ausgestattetes Haus aufführen, den Gemüse- und Lustgartenin vorzüglichen Stand setzen und mitallerhand raren" Obstbäumen bepflanzen.Um nun auch das ihm bezw. seinem Sohne die Zugehörigkeit zur freien Reichs-ritterschaft gewährende Gut in den Eichen gleich herrschaftlich herzustellen,unternahm er auch hier bezüglich des Wohnhauses sowohl als der Scheuren,Stallungen, Hofhaus, Brauhaus und Backhaus kostspielige Neubauten und kauftevon dem Fürsten Wilhelm noch bei Burbach gelegene Waldungen hinzu. ZurBezahlung der Kaufsumme und zur Bestreitung der Baukosten entlieh Karlund seine Gemahlin geb. v. Quernheim ein Kapital von 4000 Thalern von demBurggrafen v. Kilchberg zu Hachenburg.

Zu diesem seine damalige Verhältnisse übersteigenden Kostenaufwande ließer sich durch den Umstand verleiten, daß sein Schwiegervater v. Quernheim keineSöhne und so seine Gemahlin sichere Aussicht auf eine reiche Erbschaft hatte.Der jähe Tod machte aber durch diese Rechnung plötzlich einen Strich. Nachseinem Tode fanden sich über die 20000 Gulden Schulden, zu deren Bezahlungaus dem, worüber er zu disponireu rechtlich befugt gewesen, schwerlich sich hättedie Zulänglichkeit finden dürfen. So stand denn nahe der Konkurs bevor, wennnicht der älteste Bruder Graf Ernst Friedrich v. Eberstein sich der äußerstverwickelten Angelegenheiten angenommen und sich selbst zum Vormunde derKinder erster Ehe bestellen lassen. Derselbe schreibt an die übrigen Brüder"

Unsers sel. Bruders Ökonomie ist nicht die beste gewesen, und finden sichfast so viel Schulden, daß nur ein Weniges bleiben wird. Er hat kein Testament,noch sonsten die allergeringste Disposition gemacht, und hat man mit Willenmir keinen Boten (nach Mainz) geschickt, damit ich ihn nicht vor seinemEnde noch sprechen möchte. Jnmittelst maßet sich die Witwe aller Brief-schaften und aller Verlassenschaft an und hat nichts versiegeln lassen.

In einem ferneren Schreiben des Grafen Ernst an seine Brüder äußertsich derselbe dahin:

Ich gestehe gern, daß mir sehr nahe gehet, daß unser sel. Bruder erstlichdurch die Unkosten, die er sich wegen der 2ten Gemahlin in Absicht ans diereiche Succession, so er bei ihres Vaters Absterben ohne Söhne zu gewarten,ihm freilich wohl bekommen wäre; dann die Unerfahrenheit in den Rechten;weiters sein Kopf, nach dem er alles einrichten und niemand etwas fragen undfolgen wollen; lctzlichen und hauptsächlichen aber sein gutes Herz und

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