Druckschrift 
Folge 5 (1885)
Entstehung
Seite
183
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Frau Friederike Christiane geschiedene Freifrau von Möllendorfwar den 18. September 1759 zu Mohrnngen in der ehemaligen GrafschaftMansfeld, Churfächsischer Hoheit, geboren, und die zweite Tochter des Gräfl.Stolbergischen Hof- und Jägermeisters August Christian Wilhelm Freihr.v. Eberstein auf GeHofen und Mohrnngen, aus dessen zweiter Eher mit Eber-hardine Louise von Trebra, aus dem Hause Braunsrodc bei Heldrnngen.Sechs Jahr alt, verlohr sie schon ihren Vater und war nun, nebst einer alternSchwester und ihrem jüngern Bruder, der Erziehung der Mutter, einer für jeneZeit sehr gebildeten Frau überlassen. Diese, deren mütterliche Sorgfalt ärztlicheHülfe für das zarte Alter ihrer Kinder immer nah zu haben wünschte, zog mitdenselben bald nach Sangerhausen, und kehrte mit ihnen nicht eher wieder nachMohrnngen zurück, als bis sie ihren Sohn einem Hauslehrer anvertrauenkonnte, der zugleich den ältern Töchtern Unterricht ertheilen sollte. Die eigent-liche Bildung der Töchter fiel nun in den Zeitraum, welcher sich durch denGeschmack all Misticismns und Schwärmerei, der gewöhnlichen Folge unruhiger,trüber Zeiten, auszeichnete, wo des jungen Werthers und Siegwarts Leiden diejungen Herzen so sehr bezauberten und reiche Nahrung einer kränkelnden Phan-tasie gewährten. Das stille romantische Mohrnngen, das, eine sichere Bucht vorStürmen, wie der Natur, so des Lebens, von hohen die Umgegend beherrschen-den Bergen*), Ruinen der ältesten Vorzeit und schauerlichen Waldungen dichtumschlossen wird, beförderte diesen Hang des Zeitgeistes nicht wenig. Nach-theiligc Wechselwirkungen für Körper und Geist erzeugen sich dann leicht, unterderen anhaltenden Einflüsse in jungen Gemüthern eine jenem Hange sich hin-neigende Temperaments- und Characterstimmnng fürs ganze Leben so leicht ent-wickelt wird. Hier waren nun überdieß hypochondrische Hauslehrer nicht ge-eignet ihre Zöglinge durch diese Doppelströmung glücklich durch zu leiten undvor dem reißenden Strudel zu bewahren. So kam es denn, daß sehr frühschon bei unserer Verewigten jener Hang vorwaltete das Leben in einem trübenLichte zu erblicken, der sie bei dem kleinsten Anstoße die unglücklichste Wendungahnen ließ, und ihr so, mitten im Genüsse der heitersten Gegenwart, am reinenHorizonte oft die schwärzesten Wolken der Zukunft herauf führte.

Hierzu kam, daß bald darauf in den Jahren, die dem Weibe dem schönstenGenuß gewähren, ihr wirklich kein beneidenswerthes Loos fiel. Sie hatte früh-zeitig mit Zustimmung ihrer Mutter, deren Klugheit hier an der gefährlichenKlippe der gewöhnlichen Muttereitelkcit, die Tochter bald verheirathet zu wissen,scheiterte, zu rasch eine Ehe mit einem Manne geschlossen, der bloß von einem

Naumburg dasselbe noch besonders iu beglaubigte» Abschriften au sämtliche Theilhaberhat gelangen lassen, daher es überflüssig war solches auch für Verwandte, Freundeund Bekannte hier zu wiederholen. Sollte das Wenige, was ans dem Leben derVerfasserin als Einleitung vorausgeschickt ist, nicht von selbst Entschuldigung finden,so bittet darum

Brücken den 19. Mai 1823. der Herausgeber.

*) Der Mohrunger Schloßberg, hinter welchem dicht noch höhere waldige Gipfelsich erheben, hat nach einer vom Herrn Markscheider Müller angestellten Barometer-Messung 1144 Fuß Höhe, gegen den Spiegel der Nordsee, gleich der Höhe der Rothen-burg bei Kelbra. Obgleich dieser Berg mit seinen Ruinen wegen seiner höhern waldigenUmgebung von fern weniger bemerkt wird, so ist doch die Aussicht von ihm in einenTheil der goldenen Aue und Riethgcgcnd um die Unstrnt, nach Sachsenburg hin, über-aus reizend, weil sie einen so lieblichen Vordergrund hat, der gewöhnlich andernberühmten Bergaussichtcn fehlt. Das Panorama, welches sich von diesem Standpunkteaus mit den mannichfaltigsten in der Mitte liegenden Schattirungcn darbietet, wirdrechts von den Gebirgen des Vorderharzes und links der Finne in der Mitte abervon der Bergkette des Kyffhäusers und des Thüringer Waldes begrenzt. Hier bildetnicht selten der Horizont, wenn er im reinen Aether ans den dunklen Tinten derWälder abschneidet, einen italienischen Himmel wie ihn ein Landschaftsmahler in Azur-bläue darzustellen nie wagen wird. Das vordere Thonschiefergebirge des Harzesnimmt hier, auf der Mittagsseite desselben, seinen Anfang.