Das fatale Schicksal meines Bruders wird von mir innigst und mitleidentlichbedauert und Gott heimgestellt; indessen danke Ew. Gnaden vor die mir deSfallsgegebene Nachricht, gleichwie Denenselben ich und die Meinigen (welche sichDenenselben gehorsamst und unterthänigst zu ferneren geneigt- und gnädigemWohlwollen empfehlen) ganz gehorsamst Dank abstatten vor Dero wohlmeinendeWünsche zu diesem Neuen Jahr. Wir erwidern solche aufrichtigst und vonHerzen und wünschen Ihnen alles crsinnliche Wohlergehen bis in die spätestenJahre menschlichen Lebens an. Sprechen Ew. Gnaden meinen Bruder etwaeinmal, so bitte, ihm meine Liebe und Mitleid zu versichren. Gott ist allmächtigund kann sein Schicksal vielleicht baldc ändern, und ich bin pcrsichret, dieselbenwerden alles Mögliche darzu mit beitragen.
Was nun meinen Bruder Ludwig Ernst anbetrifft, so muß ich leidermelden, daß derselbe ganz unvermuthet den 8. Dec. an einer dreitägigen Krankheitin die Ewigkeit gegangen, welches mir vor etlichen Posttagen durch den Bormnndseiner nachgelassenen Tochter von 12 Jahren gemeldet worden. Er hat12 Meilen von hier auf einem adligen Gut Klein Scharlack gewohnet, welcheser gepachtet gehabt, und eben im Begriff gestanden, zur zweiten Ehe zu schreiten,da seine Frau vor etwa anderthalb Jahren gestorben und ihme diese einzigeTochter hinterlassen, und welche nnnmehro in der elendesten Situation ist,sodaß der Vormund mir sehr anliegt, selbige doch zu mir zu nehmen und vorihre Erziehung zu sorgen. Allein ich kann mich nicht hierzu resolviren wegender vielen Weitläuftigkeiten, welche man hier zu Lande mit denen Pnpillen-(lollsKim hat. Überdem habe ich selbst 2 Söhne und eine Tochter, derenErziehung schon etwas kostet. Der sel. Mann hat sein Leben in vielem Kummerzugebracht, und ich habe ihn ofte aus seiner Roth retten müssen, habe auch nocheinige hundert Rthlr. an ihme zu fordern.
Vor die mir zu geben beliebte Nachricht von dem Namen und Alter Derobeiden lieben Kinder danke crgebenst und berichte dagegen, daß ich einenSohn Namens Wilhelm, nun ins 21. Jahr gehend, habe, welcher ansetze» ansder Universität ist,-da er schwächlicher Konstitution, aber sonsten viele Fähigkeitenbesitzt. Dann habe eine Tochter Namens Charlotte, welche jetzo ins 17. Jahrgehet. Selbige habe in Berlin bis anno 1768 in Pension gehabt und erziehenlassen, jetzo aber habe selbige bei mir. Dann habe noch einen Sohn NamensKarl Friedrich August, welcher nun ins 11. Jahr gehet, aber auch von sehrschwächlicher Konstitution ist. Dieser ist noch bei mir mit der Tochter, welchebeide Ihnen, verehrungswerthe Frau Schwägerin, die Hand küssen und sich mit mirund meiner Frau, welches eine gebornc v. Dnbinsky ist, gehorsamst empfehlen.
Nun würde noch etwas von der von Ew. Gnaden beigelegten Rechnungzu gedenken sein, da sonst alles gehörig beantwortet zu haben glaube; allein daselbige gar nicht genug bestimmt ist, ich auch daraus sehe, chaß Ew. Gnadenselbst nicht recht wissen, wie Sie mit dein Grafen gestanden, so wird meinIhnen gethaner Vorschlag gewiß der sicherste sein, um außer Sache zu kommen.Suchen die gnädige Frau Schwägerin demnach je eher je besser es dahin zubewirken, daß ein redlicher Mann dort in Sachsen mit genügsamer Vollmachtversehen wird, und welcher des Herrn Gemahls dortige Einkünfte heben undIhnen überschicken kann, auch die Forderung, welche Dieselben an den verstorbenenGrafen machen, untersuchen und in Richtigkeit bringen möge, so werde ich daraufBedacht nehmen, daß Sic bestmöglichst satisfaciret werden sollen. Ich fürchtenur, daß der Graf nichts ausgeschrieben, weder von Einnahme, noch Ausgabe;dann seine Aanollalanos war unglaublich. Maliciös gegen die Familie ist erallzeit gewesen"'), ja er hat auf alle Weise raffiniret, um selbige, wann es möglich
darf man sich nicht Wundern, denn Graf Friedrich war durch denzu Mainz bei den Jesuiten heimlich genossenen Unterricht dazu angeleitet worden, so-dap derselbe wgar m verschlossener Kirche ohne Wissen und Willen seines Vaters, desGrafen Ernst ^-riedr«, im Okt. 1726 zur katholischen Religion übergetreten war. In