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Der hohe Adel im Leben des mittelalterlichen Köln
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8. Abhandlung: Aloys Schulte

Eine hehre künstlerische Überlieferung hatte das Stift deraurei martyres seit spätrömischer Zeit. Der einzigartige Zehn-eckbau in nicht genau elliptischer Form Avar bei einem Konventvon Geistlichen, die nur eine geringe Zahl von Laienbesuchernzuließen, für den Gottesdienst wohl geeignet. Das anwachsendeKöln lieferte ihrer mehr, der Raummangel zwang für die Pfarr-angehörigen mehr Platz zu schaffen und das war nur durchdie Anlage eines Ostchores möglich. Doch ein Traumgesichtdes Erzbischofs kam dem zuvor. Erzbischof Anno II legte eineKrypta und darüber den sehr erhöhten Langbau an. Im Jahre1069 wurde er fertig und damit überließ das Kapitel das Dekagonmit seinen acht Kapellennischen den Pfarrkindern und führtedurch einen Lettner sich abschließend sein Sonderleben fortanauf dem hohen Chore. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts, woden Pfarrzwecken die alte Kapelle der Propstei überwiesenwurde, wurden der eigentliche Chorabschluß und die ihn flan-kierenden Türme errichtet. Im Gegensatz zu dem AnnonischenBau, den die Vita Annonis auf ihn persönlich zurückführt,haben wir von da an nur noch den erzbischöflichen Einfluß aufden Bau in Nachrichten über Einweihungen. Das Stift hat vonda an seine Kirchenbauten selbst veranlaßt und durchgeführt. 1 )

Diese ältesten Anlagen von St. Gereon zeigen ein einzig-artiges Bild. Im Dekagon war ein Zentralbau vorhanden, ohneEmporen, der dem Chorgottesdienste und den Pfarrkindern zu-gleich diente. Wie stark der Stiftscharakter aber überwog,zeigt die Tatsache, daß der einzige Eingang vom Claustrumaus ging. In dieses mußte erst jeder Gläubige eintreten, eheer an die Kirchenpforte gelangte. Das Dekagon bietet rund350 qm Grundfläche, davon blieben für die Pfarrkinder höch-stens 120 qm übrig. Als dann Anno die Krypta baute, hatte

J ) Einen Beweis für die Stellung der Erzbischöfe zu St. Gereonliefern die Eintragungen in das Meniorienbuch von St. Gereon. Ich folgeda Knipping, Regesten. Es fehlen Memorien für Erzbischof Friedrich II(1156-58), Philipp v. Heinsberg (1167-91), Bruno III v. Berg (119193).Adolf I v. Altena-Berg, dessen Absetzung von einem St. Gereoner Scholasterausgesprochen wurde, hat natürlich keine Memorie gehabt.