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Literatur und Kunst des Mittelalters
schließendes bieten zu wollen, mich auf die Hauptzüge der Beweis-führung beschränke und besonders ihre methodische Grundlage insLicht setze, genauere Begründung, Ergänzungen und Bestätigungenaber der Zukunft anheimstelle und zunächst von einer angekündigtenUntersuchung Prof. S. Singers in Bern erwarte.*
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I.
Die einzige, leider immer noch nicht ersetzte Gesamtausgabeder deutschen Minnesänger von Friedrich Heinrich von derHagen war eine Spätfrucht romantischen Geistes. Die Widmungan König Friedrich Wilhelm III. bezeichnet ihren Inhalt als„das Bild der alten Herrlichkeit des Deutschen Vaterlandes indiesen mannigfaltigen Stimmen des sinn- und tatvollstenLebens" und „als dessen unmittelbarsten Ausdruck". Mit Tieckbetont sie die Gleichartigkeit dieser Poesie: „ein Chor von bei-nahe zweihundert Sängern, alle begeistert für Minne, im höchstenund heiligen, wie im heitern weltlichen Sinn". Mit WilhelmSchlegel rühmt sie: „Alle umschlingt das erhebende, geistigeBand der Dichtkunst, die selbst von den Höheren als ernsterLebensberuf ergriffen wurde", „Alle verband so diese heilige,hehre und volksmäßige Kunst" wie die Stände im politischenLeben das Bittertum, „so daß die Dichtkunst die Blüthe undschönste Zierde des Bitterthums war". Und an Bodmer(Sitzungs-berichte 1918, S. 855f., Vorspiel Bd. II) gemahnt der Satz: „Allevereinigen sich in einer reinen wahrhaften Stamm- und Wurzel-sprache, in welcher auch die Urtöne des alten Heldenliedes er-klingen". Der Frage nach Ursprung und Werden des Minnesangsist von der Hagen nicht nachgegangen. Genetische, geschichtlicheBetrachtung lag ihm fern: ebenso die scharfe Charakteristik desIndividuellen, die Analyse der persönlichen Besonderheiten dereinzelnen Dichter und ihrer Schulen, die genaue Feststellungund reinliche Herausarbeitung der verschiedenen Ausprägungenihrer Kunst, ihrer sprachlich-stilistischen und metrischen Eigen-tümlichkeiten.
Die wissenschaftliche Erforschung des deutschen Minne-sangs ist daher an von der Hagens Biesenbuch vorübergeschritten.Auf ihrer Bahn, von Uhlands Waltherbiographie und Minne-
*) Seitdem erschienen unter dem Titel „Arabische und europäischePoesie im Mittelalter" in den Abhandlungen der Preuß. Akademieder Wissenschaften 1918, Philos.-Histor. Klasse Nr. 13.