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Literatur und Kunst des Mittelalters
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Zunächst (Februar 1383) verlangte König Wenzel von denrheinischen und schwäbischen Städten Abtretung eines Anteilsan ihren Judensteuern. Eine Vereinbarung hierüber scheitertean dem energischen Widerspruch der Städte. Aber beide Par-teien hatten im Grunde ein gemeinsames Interesse: sich dieLast der Verschuldung an die Juden zu erleichtern und dieErträge der von den Juden zu entrichtenden Steuern und Leib-zinse zu steigern. So kam denn im Laufe des Jahres 1385zwischen dem König und den Reichsstädten des schwäbischenBundes eine Vereinbarung zustande über die gemeinschaftlicheAusbeutung der Juden. Wenzel erhielt von den Städten 40000Gulden und gab ihnen dafür freie Hand, eine gewaltsameTilgung der jüdischen Schuldforderungen durchzuführen. Am16. Juni 1385 wurden in den 38 Reichsstädten des Bundes alleJuden verhaftet und ihnen ihre Schuldverschreibungen abge-nommen. Die, welche über Forderungen an die Städte lauteten,vernichtete man, die anderen zog man von allen Schuldnern imNamen der Juden ein, wobei man gewisse Ermäßigungen derBeträge und gegen neue Verzinsung von 10 Prozent auchZahlungsaufschub bis 2. Februar 1388 zugestand. Nach diesemZeitpunkt sollten die Städte die Beute aus den geraubten Juden-schuldscheinen mit dem König teilen 1 ).
Das ganze schmutzige Abkommen warf natürlich seineSchatten weit voraus. Was ihrer harrte, wußten die Judensicherlich lange, bevor es sich verwirklichte. Der Plan KönigWenzels, die Judenschulden gewaltsam zu tilgen, war schon imOktober 1383 ruchbar geworden. Und besonders die blutigenVerfolgungen der Juden in Franken, in Nördlingen und anderenOrten 1383 und 1384 konnten sie warnen vor der auch in denReichsstädten gegen sie wieder erwachten Gewalttätigkeit.Die große internationale Judenversammlung in Weißenfels hingohne Zweifel mit diesen Dingen zusammen 2 ). Sie war bestimmt,
J ) Hegel, Die Tilgung der Judenschulden in den Jahren 1385und 1390, Chroniken der deutschen Städte 1. Bd., Nürnberg I, Leipzig1862, S. 111—120; Stobbe, Die Juden in Deutschland, S. 32 f. 56 ff.71f. 85ff. 133ff.; Weizsäcker, Deutsche Reichstagsakten 1. Bd.,München 1867, S. 461 ff.; L i n d n e r , Geschichte des deutschen Reichesunter König Wenzel Bd. 1, S. 213f. 273; »Arthur Süßmann, DieJudenschuldentilgungen unter König Wenzel, Berlin, L. Lamm. 1907. *
2 ) Lindner, a. a. O. 1, S. 272 Anm. 1.