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Literatur und Kunst des Mittelalters
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und sie dadurch immer wieder in Wuchergeschäfte zu drängen v ).So beobachten wir in jener Zeit in allen Ländern die Unent-behrlichkeit der Juden für die Fürsten und Höfe, für die Städte,für Adel und Volk, zugleich aber auch die ewig wachsende Er-bitterung der Schuldner, die sich von Juden bedrückt, ausge-saugt, zugrunde gerichtet sahen.
Man begreift daher, daß es zu keiner Ruhe kam, daß derHaß fortschwelte und stets Judenverfolgungen hie und da wiederaufflammten. Im Jahre 1385 war die europäische Lage der Judenbedrohlich genug. Die nach Frankreich unter günstigen Be-dingungen wieder zugelassenen Juden waren 1380 und 1381 inParis und in anderen Städten wilden Plünderungen und blutigenMißhandlungen ausgesetzt gewesen, viele waren erschlagenworden. In Spanien war nach dem Tode König Pedros desGrausamen die Abneigung gegen die Juden stark im Wachsen;die Cortes und noch mehr die Geistlichkeit forderten Beschrän-kung ihrer Rechte, verhehlten nicht, daß sie im Herzen ihre Ver-tilgung wünschten 2 ). Auch in Deutschland, in Nördlingen, inAugsburg, in ganz Schwaben flackerten neue Judenverfolgungenauf 3 ).
Das Verhängnisvollste aber war, daß in jenen Jahren sichan verschiedenen Stellen Europas ein planmäßig geführter Ver-nichtungsschlag gegen das gesamte Vermögen der Juden an-kündigte.
Eine Waffe gegen den Wucher hatte man längst zu besitzengeglaubt und ohne viel Bedenken angewendet: die Herabsetzungder Schulden, sei es durch Minderung oder Aufhebung der Forde-rung, sei es durch Löschung oder Reduktion der Zinsen, sei esdurch Zahlungsaufschub 4 ). Im 14. Jahrhundert aber kam indiese bisher mehr gelegentlichen und vorübergehenden Maß-nahmen ein finanzpolitisches Prinzip. Die Theorie der Kammer-knechtschaft gab dazu die Begründung. Man legte nun diesenBegriff so aus, daß die Juden mit ihrem Leib und Blut wie mit
x ) Über die Verbreitung des Wuchers bei Christen und Juden sowieüber den zunehmenden Zwang, der die Juden zum Wucher immer wiederhin trieb, beherzigenswerte Nachweise bei Güdemann, a. a. O.Bd. 1, S. 128—135; Bd. 3, S. 177—195.
2 ) Graetz, Gesch. d. Juden 8, S. 18ff., 40ff.
3 ) Graetz, Gesch. d. Juden 8, S. 49.
4 ) Stobbe, Die Juden in Deutschland, S. 131f.