Der Judensp ieß und die Longinussage
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eucharistischen Opfer, dessen Symbol fortan der Speerstich desLonginus wurde (vgl. meine Bemerkungen Deutsche Literatur-zeitung 1903, Sp. 2822L, oben S. 163). Im JohanneischenEvangelium ist es ein Soldat des Pilatus, also ein NichtJude,der gleichsam mit dem Passahmesser sticht, als ob er ein Judewäre. In der Matthäusinterpolation und allen von ihr beein-flußten Darstellungen scheint es ein Jude zu tun. Aber diesewie jene Darstellung zeigte der mittelalterlichen Phantasiedoch immer in gleicher Weise die Handlung eines Unbeteiligten:einen Blinden, das Judenmesser in seiner unfreien Hand, derjüdischer Wille das Ziel weist, die ein sehender Helfer leitenmuß. Wurde die Bedensart 'Mit dem Judenspieß rennen'wirklich nur, wie Moritz Heyne behauptete DWb. IV 2, 2357,oder überwiegend auf Christen angewendet, die nach jüdischerWeise Wucher treiben, so ließe sich gerade in dieser Beschränkungdie Ähnlichkeit mit dem Longinusspeer erkennen. Der jüdischeWucher wird als jüdisches 'Stechmesser' bezeichnet, das diedeutsche Volksphantasie ja so viel beschäftigte: z. B. wirdim Endinger Judenspiel von 1616 (hrsg. von Karl vonAmira, Halle 1883, V. 587f. 641. 648. 1024. 1193. 1593) immerwieder das stechmesser als das Instrument des Mordes genannt,durch das von den Juden zwei Christen und ihre beiden kleinenKinder 'mit ein stich hingefertigt, hingerichtet gleich wie dasvich', ihnen 'die Gurgel von dem leib herab gestochen', die 'kindergestochen wie die schaff.
Falls diese Erklärung richtig ist, dann würde 'mit demJudenspieß rennen' nicht bedeuten 'mit dem Spieß des JudenLonginus rennen', sondern 'wie Longinus mit dem Judenspießrennen', und dann würde gerade nicht der Ableitung Leitz-manns, wie er selber annimmt, der Umstand im Wege stehen,daß nach dem Johanneischen Evangelium Longinus kein Judewar, sondern eher umgekehrt die durch den Zusatz im Matthäusgestützte Überlieferung, daß Longinus selbst zum jüdischenVolke gehörte. Aber wie gesagt, auch in dieser Überlieferungbleibt Longinus immer ein weltlicher Mann, der seine redlicheKriegswaffe zu einem fremden Zwecke hergibt nach dem Vor-bilde und zur Ausübung eines jüdischen religiösen Bitus, imDienste der rachsüchtigen Pharisäer, Schriftgelehrten, Priester.Auf Geheiß dieser priesterlichen Blutgier vollführt er gleichsamdas Stechen des Passahopfers an einem unschuldigen armen