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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

Sadoch, setz mir min lantzen an,damit ich treff den valschen man.

Sadoch setzt Loynas das sper an usw.Dieser Auffassung des blinden haßerfüllten rachgierigenJuden Longinus steht aber nun die andere gegenüber, die ihmein erbarmendes Herz verleiht und von der Masse der grau-samen Juden absondert. Stark ausgeprägt ist diese Charakte-ristik, die uns schon mehrfach begegnet ist, imEgererChristus-spiel und im Augsburger Passionsspiel. Beide ent-halten sie die oben(S. 187.197) besprochene Motivverschlin-gung des Gnadenstoßes gegen den toten Christus, weichenaber in der Schilderung der persönlichen Verhältnisse desLonginus von einander ab.

Im Egerer Christusspiel (ed. Milchsack, S. 257ff.V. 6750ff.) kommt Longinus, nachdem Jesus die Worte ge-sprochen Gott votier, in die hende dein Entpfilch ich hent dengeiste mein und durch die szenische Bemerkung Et sie Salvatorinclinat caput suum et mittens volare albam columbam das Ent-weichen seiner Seele bestimmt angedeutet ist, nachdem Redender Teufel und der untenstehenden Toten den Tod Christisowie die ihn begleitenden Wunderzeichen festgestellt haben,nachdem der Centurio (Matth. 27, 54) die Worte gesprochenVere vere filius dei erat iste. Gleichwohl redet Longinus, alsob Christus noch lebte, und versichert, um seine Marter zuenden ihn durchstechen zu wollen:

Ich heis Longinus an lauegnen

Und pin plindt an peiden aügen.

Ich pin ein edler man von art.

Das ist war, auff mein letzte fort,

Das mich erbarmet die letzte zeit,

Die diser mensch heilt hie leit.

Ge her zu mir, mein lieber knecht

Weis mir mein langes sper recht,

Ich wil hie nit lenger peitten,

Ich wil in stechen in sein seilten,

Das sein martter ein ende hab.

Und auch gestilt werdt die grosse klag,

Die do hat das magetlein

Umb den liebsten hern sein:

Auch das er nicht den heiigen lag

Hing bis auff den ostertag,

Und das er auch nitt lebendig bleib,

Wan das we thut seinem leib;