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Literatur und Kunst des Mittelalters
II
jüdischen Ritter (Malchus, Jesse, Mosse, Israel) die Ankläger,"wie sie vorher Jesus gebunden, verspottet, geschlagen haben(Mone S. 270ff.). Auch vor Pilatus erheben sie die Anklageund sind überhaupt immer bemüht, Christus grausam zu miß-handeln (Mone S. 286ff.). Später kommen vier andere jüdischeRitter hinzu (Josue, Samson, Samuel, Johel) von gleicher Art{S. 290ff.). Bei der Kreuzigung selbst walten wiederum diesejüdischen Ritter und das von Jechonias aufgestachelte jüdischeVolk des Henkeramts. Ebenso wurde in den weitverzweigtenFrankfurter und Wetterauer Passionsaufführungen desXV. Jahrhunderts, im Einklang mit den gleichzeitigendortigen Kreuzigungsbildern 1 ), Christus von Juden ge-kreuzigt (s. E. W. Zimmermann, Das Alsfelder Passionsspiel,Göttinger Dissert. 1909, S. 99f.). Dasselbe gilt vom Heidel-berger Passionsspiel (hrsg. von Milchsack, Tübingen 1880,S. 209ff.). Auch als die Wächter am Grabe erscheinen imDonaueschinger Passionsspiel vier der Judenritter, und hierwerden allerlei scherzhafte Züge eingemischt 2 ) (Mone II, 336).Die Judenverspottung war eine Hauptwürze dieser auf dieMassen berechneten Kunst: 1338 wurde in Freiburg i. B. ineinem Freibrief für die Juden diesen besonders zugesichert,es abzuwenden, das ieman kein spil zu Friburg uffen sii mache,das inen lästere oder schände mug gesin (Weinhold, Das Komischeim altdeutschen Schauspiel, Gosches Jahrbuch f. Literatur-gesch. I, 1865, S. 12. 28; Creizenach, Geschichte des neuerenDramas P, 1911, S. 204. 237f. 410).
Longinus selbst wird in mehreren Passionsspielen aus-drücklich Jude genannt: z. B. klagt im Alsfelder Passions-
x ) Früh hatte die bildende Kunst die Christus marterndenKriegsknechte in jüdischem Typus dargestellt: P. Weber, Geistl.Schausp. u. kirchl. Kunst, Stuttg. 1894, S. 131 f.
2 ) In anderen Passionsspielen sind die mit grotesker Roheit aus-gestatteten Soldaten des Pilatus durch komische Namen deutlich alsNichtJuden gekennzeichnet. So führen die 'Ritter' des Pilatus imEgerer Christusspiel die Namen der bekanntesten Helden desdeutschen Volksepos (Dietrich, Hillebrant, Laurein, Sigenot) und paro-distisch wirkende Reckennamen wie Helmschrot, Tritinklee. Daß sie imGegensatz zu den Juden stehen sollen und als Römer gedacht sind,verraten z. B. des secundus miles Dietrich "Worte von der schnoedenJuden begir (Egerer Fronleichnamsspiel herausg. v. G. Milchsack,Tübingen 1881, S. 195 V. 5212).