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Literatur und Kunst des Mittelalters
einst zusammen mit Elias Rudel von Bergerac und Jaufre Rudelvon Blaia bei der von allen dreien geliebten Vizegräfin Guillelmain Benagues saß, zwei zu ihren Seiten, der dritte ihr gegenüber.Alle drei hatten sie um Liebe gebeten, und schon früher hattesie jeden zum Ritter gehabt, ohne daß einer vom andern wußte.Jetzt sah sie jeder der drei verliebt an. Die Dame wollte nunjedem ein Zeichen ihrer Neigung geben: den ihr gegenübersitzen-den Rudel blickte sie freundlich an; von den zu ihrer Rechtenund Linken sitzenden faßte sie den einen bei der Hand unddrückte sie, dem andern trat sie auf den Fuß. Keiner merktewas dem andern widerfuhr. Auf der Heimfahrt aber erzähltenzu Savarics schmerzlicher Überraschung die beiden Freundeihm ihr Glück, jeder von beiden rühmte sich, der Auserwähltezu sein. Das gab nachher dem Savaric, der zu jenen Indis-kretionen traurig geschwiegen und von dem ihm gewährtenLiebeszeichen nichts verraten hatte, den Anlaß zu einem Streit-gedicht mit zwei Troubadours, das die Frage erörtert, welchesZeichen der Dame den höchsten Grad der Liebe bewiesenhabe. Auch das niederländische Gedicht (Altdeutsche Blätter,herausg. von M. Haupt u. H. Hoffmann, Bd. 1, Leipzig1835/36, S. 70, 71) setzt die nämliche Situation und einenLiebesstreit t voraus, in dem hier als Urteilssprecherin eineJungfrau den Händedruck für das sicherste Zeugnis der Frauen-liebe erklärt.
An der bildlichen Darstellung des Motivs in den Illu-strationen zum Welschen Gast ist nun das sehr auffallend, daßim Text des Gedichts, dem sonst im allgemeinen die bildlicheVersinnlichung sich eng anschließt, hier keinerlei Hindeutungauf diese symbolische Situation und die sie begleitenden Hand-lungen stattfindet. Vielmehr ist im dichterischen Text nur dieRede von der Natur der wahren Liebe: die Minne ist frei undläßt sich weder erzwingen durch Zauber oder Gewalt, noch sicherndurch Einsperrung und Bewachung, noch vor allen ist sie durchGaben von Geld und Gut zu erkaufen (V. 1201—1258). Werso ehrvergessen und gottlos ist, daß er an ein Weib, um ihreLiebe zu gewinnen, große Schenkungen verschwendet, dermacht sich lächerlich und verächtlich. Die Umworbene siehtin ihm einfach einen Toren und hält ihn zum Narren. Sie erzeigtihm allerlei Liebes, wenn es ihr gerade so paßt. Denn schenktihr ein anderer mehr, dann ist der ihr wieder viel lieber (V. 1260
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