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Literatur und Kunst des Mittelalters
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daß zwischen der deutschen Philologie und der Kunstgeschichteeine lebhaftere Fühlung wieder hergestellt werde.
Diesem Wunsch soll die folgende Betrachtung mit be-scheidenen Kräften dienen. Aber sie steht in Einklang nochmit einer zweiten korrigierenden Tendenz.
Als im Zeitalter der nationalen Wiedergeburt, jener geistigenBefreiung, der dann die politische folgte, unsere deutschePhilologie auf die Welt kam, erhielt sie notwendigerweise einvaterländisches Gepräge. Die angestammte deutscheKultur und Dichtung galt es aus dem Schutt, den die Jahr-hunderte darüber gehäuft, wieder auszugraben. Lachmannwie Jacob Grimm und ihre Schüler haben das deutsche Mittel-alter vor allem in den literarischen Hervorbringungen durch-forschen wollen, die sich der Landessprache bedienten. Diealtdeutsche Dichtung blieb ihnen ganz im Vordergrund ihresInteresses.
Auch hier haben wir mit den Jahren gelernt, einen andernStandpunkt einzunehmen. Es genügt nicht mehr, daß nebenden Ausgaben mittelhochdeutscher Werke und neben den Ge-schichten der altdeutschen Literatur selbständig die Monu-menta, Germaniae historica und mehr oder minder vereinzelteBehandlungen gewisser herausgegriffener mittellateinischer Dich-tungen einhergehn. Nein, wir müssen es uns ganz klar machen:die mittellateinische Bildung wurzelt in der lateinischen Bil-dung, die aus dem Altertum stammt und sich im Laufe derJahrhunderte wohl stark gewandelt und verdünnt hatte, abernie untergegangen war. Längst weiß man: das christliche Dogmaist aus hellenistischen Grundlagen erwachsen, auf die Aus-bildung der christlichen Legenden hat der griechische Romanund die griechische Novelle eingewirkt; Enzyklopädien unddie Glossenwerke pflanzten die antike Wissenschaft, wennauch in dürftigem Auszuge, fort; die mittelalterliche Historio-graphie ahmte unbeholfen die geschichtliche Rhetorik desAltertums nach, die Logik des Aristoteles beherrschte diemittelalterliche Philosophie; die mittelalterliche Urkunden-sprache setzte Traditionen der antiken Rhetorik fort; gewisserömische Autoren, Dichter wie Prosaisten, wurden immerwieder abgeschrieben und gelesen. Auch die antike bildendeKunst dauerte in gewissen Motiven, in manchen Arten derTechnik und namentlich des Ornaments durch das Mittelalter