Über deutsche Erziehung
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Erdkunde durch Vermehrung der Geographiestunden undschließlich wohl gar den Politikern durch Einsetzung einesstaatsrechtlichen und nationalökonomischen Kursus zu will-fahren. Warum sollten die Astronomen und Geologen nichtauch die Anfangsgründe ihrer Wissenschaft, warum die Medi-ziner nicht auch die Elemente der Anatomie und Physiologie,warum die Juristen nicht die Grundzüge der dogmatischenRechtswissenschaft zu Lehrgegenständen des Gymnasiumsmachen wollen? All das sind doch ohne Frage nützliche undgeistig bildende Dinge! Auf diesem Wege gibt es kein Still-stehn, er führt immer weiter, ins Endlose.
Leider hat die preußische Unterrichtsverwaltung diesenWeg betreten: sie glaubte durch Konzessionen an verschiedeneParteien aus der Verwirrung herauszukommen und hat dasGymnasialwesen erst recht verfahren.
Die allgemeine, nicht mehr wegzuleugnende Unzufrieden-heit mit dem Erfolge der gymnasialen Erziehung hat ihrenletzten Grund nicht in der Uberbürdung noch in der übertriebenlangen Dauer des Unterrichts, sondern darin, daß man fühlt,wie gering bei alledem der bleibende Gewinn dieses Unter-richts für das innere, sittliche Leben der Nation ist.
Positive Kenntnisse, die späterhin im Leben praktischbrauchbar sind, werden wenige erworben: das kann ich fürkein Unglück halten. Die formale Bildung kommt sicherlichnicht zu kurz: Grammatik der beiden klassischen Sprachen,lateinische und griechische Skripta, Aufsätze im Jargon Ciceros,ferner Mathematik und philosophische Propädeutik sorgen mehrals reichlich dafür. Auch eine ästhetische Bildung, sollteman meinen, müßte erzielt werden: die Lektüre so vieler künst-lerisch vollendeter, teils genialer teils wenigstens interessanterSchöpfungen des Altertums müßte doch den Geschmack, denSinn für das Schöne, Takt und Gewandtheit der gesellschaft-lichen Formen entwickeln und steigern. Ob das geschieht,wage ich weder zu bejahen noch zu verneinen. Sicherlich ge-schieht es lange nicht in dem Maße, als es geschehen müßte,wenn man die massenhafte, allein auf diesen einen Zweckjahrelang verwendete Zeit als belohnt ansehen soll.
Wie steht es aber mit der eigentlich „humanen", mit derAusbildung der ethischen Seite, des Charakters und des