X Vorwort
Poesie, die Macht der Antike und des Orients im Mittelalter,die Bedeutung der frühchristlichen und mittelalterlichenPilgerfahrten, die weitgreifenden Wirkungen der syrisch-byzan-tinischen wie der römischen Liturgie auf die Gralsage und dasgeistliche Schauspiel, die wichtige Rolle der mittelalterlichenPoetiken und Formelbücher, namentlich der von Italien aus-gehenden Ars dictandi und des Cursus, den inneren Zusammen-hang zwischen Reformation und Renaissance, die bildungs-geschichtlichen Quellen und Zuflüsse der neuhochdeutschenSchriftsprache, den Einfluß der Musik auf die Erneuerung derdeutschen Dichtersprache, auf Lyrik und Drama des 18. Jahr-hunderts und manche andere Hinweise haben sich als frucht-bare Keime einer bereicherten Auffassung der deutschen Kulturund ihres Werdegangs erwiesen. Vielleicht darf ich hoffen, daßsie künftig noch merkbarer ihren weckenden Anstoß bewähren.So begrüße ich es denn dankbar, daß die Herausgeber dieserBuchreihe, die Herren Paul Kluckhohn und Erich Rothacker,die Sammlung meiner kleinen Schriften gewürdigt haben, diegeistesgeschichtliche Abteilung ihres großen Unternehmens zueröffnen und gleichsam als symphonischer Prolog einzuweihen.Möge diesem meinem 'Vorspiel' ein mannigfaltiges herrlichesSpiel von jüngeren Kräften auf der weiten Bühne bildungs-geschichtlicher Wissenschaft folgen.
Berlin-Grunewald im Mai 1925.
Konrad Burdach.