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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
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LXXXI
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Einleitung. LXXXF

kraft der Kritik und fügte sich daher verwundert, aber willenlos ihren Ergeb-nissen. So erklärt sich sein Verhalten zu den Heptaden, die er schon 1819,

1822 in seinen an Gottfried Hermann anknüpfenden beiden Untersuchungenüber die Metrik und den Umfang der griechischen Tragödien gefunden hatte.Danach sollten sowohl die Verszahl der einzelnen Chorsysteme als die Summealler Chorverse einer Tragödie, die Summe aller Verse einer jeden dramatischenPerson und die Zahl der Chorgesänge wie die Zahl der Reden der Einzel-personen durch die Zahl sieben teilbar sein. Urkundlich bezeugte Analogienzu diesem Zahlenverhältnis sah Lachmann in folgenden Beobachtungen aufdem Gebiete des mittelhochdeutschen Schrifttums, die allerdings keineswegsalle gleich sicher sind und die sich im Laufe der Zeit ihm selbst verschoben,so daß seine daraus gezogenen Folgerungen sich wandelten.

Die erste kurze Mitteilung findet sich in Lachmanns Brief an Jacob Grimmvom 25. Mai 1823 (S. 304):Der ganze Parzival besteht aus 827 Abschnittenvon 30 Versen = 24810, ein sicheres Kriterium [!] der echten undunechten Verse". Auf Jacob Grimms erstaunte Frage über diese 'wichtigenEntdeckungen' (S. 401) bringt dann nähere Aufklärung der Brief vom 2. Juli

1823 (S. 4081): die einzige eingehendere Begründung, die wir von Lachmannfür seine Auffassung dieser Abschnitte besitzen. Er maß jetzt aber der ganzenSache wenig Wert bei:Die Geschichte mit den Abschnitten im Parzival sehenSie für viel zu wichtig an, es folgt daraus wenig". Seine Erläuterung desZahlen Verhältnisses nennt er nun eine 'geringfügige Bemerkung'. Später hater doch Gewicht darauf gelegt und das Zahlenverhältnis der Abschnitte alsHilfsmittel der Kritik besprochen und benutzt*). Seine Nachweise und Schlüssesind im Einzelnen mehrfach angefochten, berichtigt und eingeschränkt worden;von San Marte, C. Bock, Karl Helm, am genauesten von Albert Schreiber, zu-letzt von Ludwig Wolff 2 ). Lachmann hielt für sicher und es ist lange alssicher betrachtet worden, bedarf aber auch nach den genannten Unsersuchungenkünftiger umfassender Nachprüfung, daß in Wolframs Parzival die Gesamtzahlder Verse und vom fünften Buch ab auch die jedes einzelnen Buches durch30 teilbar ist. Nach den darüber gepflogenen Erörterungen scheint es hingegenunzweifelhaft zu sein, daß Abschnitte von 30 Zeilen, ohne regelmäßig mitSinnesgrenzen zu enden, in den besten Handschriften oft durch große Initialensichtbar gemacht werden und daß in seinem 'Willehalm' dieselbe Teilung vonvornherein für jedes Buch durchgeführt war. Fest steht auch, daß Wolframs

1) Wolfram-Ausgabe Vorrede S. IX f. und zu Parzival 125; Iwein-Ausgabe beiund zu Vers 297. 3473. 3945. 4775; Anmerkungen zum Nibelungenlied Str. 1235bis 1239.

2) Zeitschrift f. deutsches Altertum 1924, Bd. 61, S. 181 f.

Briefwechsel Orlmm-Lachmann. VI