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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
Seite
LXXVI
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LXXVI Einleitung.

glaubte, es fehle nur am guten Willen der einflußreichen Personen. Zumalin ihrem Schwager Savigny, in Ranke, namentlich aber in Lachmann erblicktesie heimliche Gegner der Berufung der Grimms. Nach ihrer leidenschaftlichenWeise gab sie dieser Überzeugung mündlich und in Briefen heftigsten Aus-druck. Einzelne Gespräche und selbst einzelne Worte mußten ihr dazudienen, ihren Verdacht zu stützen. So trug sie in den ihr nahestehendenKreis, z. B. zu Varnhagen, eine Art Legende, die auch auf die Brüder Grimmeinen gewissen Eindruck machte, zumal sie durch das erlittene Schicksal, ins-besondere durch politische Anfeindungen, denen ihr Auftreten in reaktionärenKreisen ausgesetzt war, empfindlich und mißtrauisch geworden waren. Aufdiese Weise kam es denn nach einer Zeit heimlicher Spannung zwischenLachmann und den beiden Grimms zu einer brieflichen Aussprache, die jetztin vollem Wortlaut gedruckt ist.

Die Worte, die Lachmann damals (in drei Briefen vom 30. Mai und20. Juni 1839, 10. Mai 1840) fand, um den geliebten Freund sich zu rettenund ihn über sein wahres Verhalten aufzuklären, und namentlich der letzteBrief, nachdem ein persönlicher Besuch in Kassel mit Buttmann noch nichtalle Wolken verscheucht hatte, werden jedem Leser ans Herz greifen. Siehaben ihre Wirkung auf die Brüder nicht verfehlt. Jacobs Antwort vom13. Mai 1840 beginnt mit dem vollen Seelenklang der Freude und des Glücks-gefühls, daß alle Mißstimmung ausgelöscht ist. Zugleich schickt er als Siegeldes neu geschlossenen Freundschaftsbundes seinSendschreiben an Lachmannüber Reinhart Fuchs". Und nun bricht Lachmann dankerfüllt in einen Jubelaus wie ein Schulknabe. Der denkwürdige Brief (S. 712 f.) entkräftet jedenVerdacht, der sich etwa gegen Lachmanns Aufrichtigkeit regen könnte. Soschreibt nur ein reines Gemüt, ein redlicher Sinn, und solche Herzenslauteentquellen der Brust eines gereiften ernsthaften Mannes nur, wenn er wirklichim Innersten aufgewühlt ist.

Varnhagen hat am 28. Oktober 1840 nach einem Besuch bei Bettine inseinem Tagebuch vermerkt:Das Hierherkommen der Brüder Grimm ... istihr eine gewonnene Schlacht gegen den Schwager Savigny, ein Sieg überLachmann und Ranke" (Schillmann, Sitzungsber. d. Berliner Akademie 1914S. 476): damit gibt er als objektiver Chronist eben nur die Meinung Bettinens,nicht aber den wahren Verlauf der Sache und nicht die Rolle, die Savigny,Lachmann und Ranke in Wirklichkeit darin gespielt haben. Und der leiden-schaftlichen Anklage, die Bettine erhob, hat man einfach entgegenzuhalten dieschöne Erklärung Jacob Grimms in dem eben erwähnten Brief:Was Bettinevon Ihnen sagt oder glaubt, thut bei mir weder Ihnen abbruch, noch ihr selbst,wenn sie irrt. Denn sie irrt nur in edler absieht; sie ist ein überströmendes