Einleitung. LXXV
Preußischen Akademie der Wissenschaften gemacht. Auf Grund dieser Stellungdachte Jacob Grimm schon 1838 seinen Wohnsitz nach Berlin zu verlegen,dadurch in die Reihe der ordentlichen Mitglieder überzutreten und das Rechtzu Vorlesungen an der Universität zu erhalten. Damals rieten aber BerlinerFreunde, darunter Lachmann, ab. Sicherlich mit guten sachlichen Gründen,aus kluger Erwägung, wie wenig solche Vorlesungstätigkeit als Akademiker,zu der zunächst natürlich auch nur Jacob Grimm günstigsten Falls berechtigtgewesen wäre, den Brüdern eine auskömmliche Lebensstellung gesichert hätte,selbst wenn die Zulassung bei der Universität vom König oder dem Kultus-minister mit Rücksicht auf den politischen Makel, der nach Auffassung derlegitimistischen und reaktionären Kreise seit ihrem Protest und ihrer Entlassungan ihnen haftete, nicht beanstandet worden wäre. Beide Grimms hatten zudemselbst damals eine starke Abneigung gegen das absolutistische, freieren geistigenRegungen feindliche Regiment in Preußen, überhaupt gegen norddeutschesLeben und den Zwang und Lärm der großen Stadt. So war ihnen das Scheiterndes Plans eigentlich ganz erwünscht.
Aber die Stimmen, die damals unter ihren Freunden laut wurden überihren Göttinger Protest, befriedigten sie zum Teil wenig und gerade von jenenMännern nicht, deren unbedingte Zustimmung sie erwarteten. Savigny, ihreinstiger Lehrer, der Freund ihrer Familie und Schwager des ihnen nah be-freundeten Achim von Arnim und seiner Gattin Bettine geb. Brentano, bezeigtewohl warmes Mitgefühl mit ihrer Lage, äußerte sich aber sonst zurückhaltendund vermied es, ein Urteil über den ganzen Rechtsstreit auszusprechen.Lachmanns Briefe nach der Amtsentsetzung liegen uns nun vor. Sie sindsicherlich freundschaftlich und herzlich. Den Grimms waren auch sie zu kühl.
Der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König FriedrichWilhelm IV, hatte schon im Dezember 1837, also unmittelbar nach JacobGrimms Landesverweisung, dem Minister von Altenstein brieflich eine An-regung gegeben, die Grimms für Berlin zu gewinnen. Er hat auch seitdemnicht aufgehört, für die Durchführung seiner Absicht zu wirken, die aufstärkste politische Hindernisse stieß. Dabei unterstützte ihn Bettinevon Arnim mit der ihr eigenen geschäftigen Energie und enthusiastischenLebendigkeit. Ihrer dichterischen Begabung ist Wilhelm Grimm im Hinblickauf ihren 'Briefwechsel Goethes mit einem Kinde' in einem Gleichnis gerechtgeworden, das doch auch für sie selbst, für ihre wunderliche und dabei groß-artige Persönlichkeit gilt: „Es strömt bei ihr nicht bloß eine frische Quelle,sondern, wenn ihre Feiertage kommen, springt auch, wie sonst bei der Kaiser-krönung eine Fontaine mit rothem und weißem Wein" (18. Oktober 1834,S. 876). Bettine unterschätzte die entgegenstehenden Schwierigkeiten, sie