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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
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LXV
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Einleitung. LXV

und Geradsinn: über Hoffmann von Fallersleben spricht sein Brief vom 18.19. November 1834 sehr scharf, und selbst über Böckh, den großen Sach-philologen, der Lachmann, dem großen Wortphilologen, als älterer Fachgenosseund mächtigerer Rival in der Fakultät wie in der Akademie gegenüberstand,hören wir gleichzeitig eine grimmige Scheltrede, die mittelbar auch Bopp trifft.Die Ursache dieser starken Erregung war die Beurteilung und VersorgungOraffs, der in der von Eigenlob und Selbstbejammerung, serviler Kriechereiund frommer Salbung widerlich triefenden Vorrede zum ersten Band (1834)seines dem preußischen Kronprinzen gewidmeten Althochdeutschen Sprach-schatzes ohne Namensnennung grundlose, gegen Lachmann und Schleiermacherzielende Verdächtigungen ausgesprochen hatte, aber von einer Gruppe derAkademie begünstigt wurde, zu welcher Böckh und der in seinen späterenSchriften Lachmannfatal und trocken" erscheinende Bopp (S. 604) ge-hörten.

Wenn Lachmann hier gegen BöckhsWut und Bosheit" wettert und ihnherrschsüchtig, intrigant und parteisüchtig" nennt, so wirken wohl auch ältereVerstimmungen über die Frage der Seminarleitung mit. Aber Lachmannbändigt seinen Zorn selbst und nimmt ihm den Stachel, indem er einlenkendbedauert, daß Böckhs Verhalten Mißbilligung verdiene:denn er ist viel zu gutdazu". Später wurde Lachmanns Stellung zu Böckh eine durchaus kollegialische,und auch in unseren Briefen finden sich dafür Belege. Immerhin soll Lach-manns maßloses Wort in dem genannten Brief, das durch Graffs taktlose Be-merkung, Schleiermacher sei kein eigentlicher Philosoph, hervorgerufen, aberkeineswegs gerechtfertigt war, nicht vertuscht werden:So etwas . . . darf inunserer nichtswürdigen Akademie ungestraft ausgesprochen werden." Begreiflichwird es doch nicht aus Lachmanns Strenge und Härte im Urteil über sittlicheFehler. Hier wirkte ein anderes Motiv erregend mit, das mit der edelstenEigenschaft seines Charakters verwachsen war: es war seine Freundestreue,die sich empörte, weil er den von ihm innig geliebten und gleich hoch alsMensch wie als Religionsphilosoph und Forscher verehrten Schleiermacherleichtfertig von einem mittelmäßigen Gelehrten herabgesetzt sah, ohne daß ausder Versammlung eine Zurückweisung erfolgte.

Aus demselben Grunde hatte er früher Wilhelm Schlegels Eitelkeit undfade Geistreichelei, die auch Jacob Grimm belächelte, doch aus Dankbarkeit füreinst in seiner Jugend von ihm empfangene Anregungen mild verschleierte,zwar ohne Erregung ebenso possierlich wie anschaulich geschildert, aber sichaufs tiefste darüber entrüstet, daß Schlegel Lächerliches aus Niebuhrs RömischerGeschichte, das man nicht verteidigen konnte, zu parodieren sich nicht scheute(S. 515).

Briefwechsel Grimm-Lachmann, V