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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
Seite
LXIV
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LXIV Einleitung.

durch den Briefwechsel werden. Besonders empfindlich machen sich dieStöße, die von Fachgenossen und Kollegen herrühren. Davon geben dieseBriefe reichliche und überaus lebendige Kunde. Wir sehen, Lachmann unddie Brüder Orimm halten innerlich zusammen, weil sie sich eins fühlen in demgemeinsamen strengen Dienst einer Forschung, die mit unablässig gespannterKraft das höchste erreichbare Ziel sucht und in unbeirrbarer Redlichkeit nachder Wahrheit trachtet. So stehn sie seit ihrer ersten brieflichen Verknüpfungals fester Dreibund mit wachsender Abneigung der unerfreulichen Trias vongermanistischen Mitforschern Friedrich Heinrich von der Hagen, Graff, Maß-mann gegenüber, die zwar fleißig und voll Eifer mancherlei wichtige Aufgabender jungen Germanistik angreifen, aber in ihren zahlreichen und umfänglichenBüchern, Abhandlungen, Rezensionen niemals von romantischer Verworrenheit,dilettantischer Willkür, allerlei verschrobenem Eigensinn loskommen, nicht seltenauch flüchtig und nachlässig arbeiten und vor allem den ihnen an Begabungund Gewissenhaftigkeit weit überlegenen drei Bahnbrechern einer wirklichphilologischen Methode vielfach Eifersucht, Mißgunst, selbst Unehrlichkeit undoffene oder versteckte Feindschaft beweisen.

Lachmanns Briefe machen dem berechtigten Unmut darüber oft in scharfemHöhnen Luft. Seinem auf kritische Beobachtung eingestelltem Wesen war jaeine Neigung angeboren zu Ironie und neckendem, nicht selten auch beißendemSpott, selbst den nächsten Freunden gegenüber. Das hatten schon in seinenGöttinger Universitätsjahren die Studiengenossen empfunden. Das verleugnetsich auch in diesen Briefen nicht ganz. So reibt er sich an des in Engländereietwas versteiften Benecke spröden Wunderlichkeiten, an Immanuel Bekkersallzu wortkarger Editionsweise, der immer die geplanten und notwendigen An-merkungen unter der Feder schwinden, an der umständlichen Darstellung inw'ackernagels Erstlingsarbeiten. Diese und ähnliche gelegentliche Plänkeleiengegen näher oder ferner stehende Gelehrte sind indessen nur harmlos gutmütigeRegungen seines Temperaments. Ein tiefer bitterer und begründeter Grolltritt dagegen hervor aus mancher Äußerung über das Berliner Trifoliumvon der Hagen, Graff, Maßmann. Und auch die Grimms, obgleich Jacob an-fangs längere Zeit Graff und Maßmann gegen Lachmann in Schutz nimmtoder entschuldigt, haben sich allmählich ganz seiner Verurteilung angeschlossen.Lachmann selbst hat übrigens Maßmanns Person einmal (S. 63Q) sehr mildeund nachsichtig gewürdigt, ihn alseine ehrliche ernste Natur, der es freilichan Anmut fehlt", anerkannt, allerdings zugleich auch die seinen Büchern niemalsfehlendenAlbernheiten und Geschmacklosigkeit" betont.

Heftig und schneidend oder zornig aufbrausend wird Lachmanns Kritik,wo er sittliche Fehler entdeckt, Eigennutz oder Trägheit, Mangel an Offenheit