XLIV Einleitung.
griech. v/jp- (Nom. Sing, awjp), vep- (Vokat. Sing, avsp), v-S-pa- (Dat. Plur..ävöpäoi) behauptet 1 ). Die Gleichung rcarpaoi = got. fadr-um neben denandern längst bekannten, aber bisher anders gedeuteten Gleichungen griech.sxatö-v = lat. centu-m got. hund 'hundert' altind. (ata, griech. Itctä lat. Septemgot. sibun altind. saptä, griech. evvsa lat. novem got. niun altind. näva, griech.8£xa lat. decem got. taihun altind. däga zeigt, daß im Gotischen das u wiegriech. a Ersatz sein kann einer sonantischen Liquida odereines sonantischen Nasals: eine Annahme, die für die „vokalischeNatur" des „im Tone mit dem u verwandten" gotischen r unter Ableitung desDativs und Akkusativs Pluralis der Verwandtschaftsnamen broprum, bröpruns('die Brüder', 'den Brüdern') usw. aus bröprm, broßrns bereits im Jahr 1846von Loebe, dem Verfasser einer verdienstvollen gotischen Syntax und Kritikerdes Syntaxbandes der Deutschen Grammatik Grimms (s. unten S. LXXII) ge-äußert 2 ), und 1862 von Adalbert Kuhn durch altindische Analogien ge-stützt worden war 3). Die silbebildende Natur des r und 1 war für dasUrslavische und einen Teil der slavischen Sprachen von Miklosich 1850und 1875 behauptet und als Fortführung des altindischen r- und 1- Vokals,aber noch unter Aufrechterhaltung der traditionellen (altindischen) Guna-Theorie(ar Steigerung von r) erklärt, später freilich als sekundäre Sonderentwicklungdes Slavischen betrachtet worden 4). Wesentlich mit Brugmann übereinstimmendaber hatte das Problem bereits Amelung (s. oben S. XXXVI) behandelt.
Die Stammabstufung, d. h. den aus der indogermanischen Grundspracheüberkommenen Wechsel zwischen starker (lautvollerer) und schwacher (laut-ärmerer) Gestalt des Stammes bei Antritt der verschiedenen Personal- undKasussuffixe fand Brugmann in griech. sl-jxt. 'ich gehe' altind. e-mi nebengriech. ?-{iev (für *!-[iiv) 'wir gehen' altind. i-mäsi; in griech. o!Sa (Perfekt mitPräsensbedeutung) 'ich weiß' altind. ved-a neben griech. 1'd-jj.ev (für * 18-fiiv) 'wirwissen' altind. vid-mä; in griech. us7tov8-a (für *7rercövfra) 'ich habe gelitten'neben gr. 7re7roc&-uia 'gelitten habend'; in got. wait 'ich weiß', witum 'wirwissen', got. band bundutn, halp hulpum. Die Verschiedenheit des Wurzel-vokals <p§po) ipöpo? reicht nach Brugmanns Ansicht zurück in die Grundsprache.Dieser schreibt er außer einem vokalischen (silbischen) r und 1 auch vokalischeNasale zu: n m. In vielen Fällen sind sie nach seiner Ermittlung ein Zu-sammenziehungsprodukt aus ar, al, an, am.
1) Zeitschr. f. vergleich. Sprachforschung I 293 ff., s. Bechtel a. a. O. S. 121 f..
2) Ulfilas, hrsg. von Conon von der Gabelentz und Johann Lobe, Vol. II,pars 2, S. 41 f., s. Bechtel a. a. O. 120 ff.
3) Zeitschr. f. vergl. Sprachf. XI 380 f.
4) Vgl. Bechtel a. a. O. 88 f. 121.