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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
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XLII
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XLII Einleitung.

und mit Unrecht auch grundsätzlich gegenüber dem althochdeutschen Vokalismusbevorzugt hatte.

Es war dadurch der von Jacob Orimm entdeckte germanische Ab-laut, d. h. der Wechsel zwischen Vokal und Vokal oder Vokal und Diphthongin der Stammsilbe, der die sogenannten starken Verben kennzeichnet, aberauch die Wortbildung durchdringt, endgültig in eine völlig neue Beleuchtunggerückt. Der Ablaut hörte auf eine Besonderheit der germanischen Sprachezu sein, als welche er nach Grimms Darstellung erscheinen sollte und tat-sächlich oft hingestellt worden ist, obgleich in der Deutschen Grammatikschon 1822 (12, S. 1056ff.) und 1840 (13 S. 569ff.), namentlich aber in demmit besonderer Liebe und schriftstellerischer Kunst ausgeführten 12. 32.36. Kapitel der 'Geschichte der deutschen Sprache' (1848, S. 274ff. 854ff. 922ff.),reichliche Vergleichungen paralleler Ablautserscheinungen der indischen,griechischen, lateinischen Konjugation und Wortbildung eine richtigere Auf-fassung hätten nahelegen müssen. Er galt jetzt seinem Wesen nach nichtmehr für ein Mittel zur Unterscheidung der Gegenwart und der Vergangenheitin der Konjugation, in das Jacob Grimmdas eigentliche Leben, gleichsamdie atmende Kraft der deutschen Wurzeln gesetzt hatte." Er offenbarte sichnun als vorgermanisch, als ein dem Germanischen mit den verwandtenSchwestersprachen gemeinsames Erbe aus der indogermanischen Urzeit, dasaber in den Einzelsprachen vielfache Umbildungen und Neuerungen erlebthatte, am wenigsten verhältnismäßig im Griechischen und Germanischen.Der Ablaut durfte nun nicht mehr nach der am Indischen und zwar an derindischen Grammatiker-Theorie orientierten Erklärung der sogenannten 'erstenSteigerung' (des Ounä), der Umwandlung eines Vokals in einen Diphthong,beurteilt werden.

Die einheitliche Beurteilung des gesamten indogermanischen Ablautswurde erst ermöglicht durch Brugmanns Aufhellung eines entscheidendenPunktes der griechischen Sprachüberlieferung: er bewies und dies isteine der folgenreichsten Erkenntnisse, die der vergleichenden Sprachwissen-schaft je gelungen sind, daß im Griechischen der Vokal a vielfach in Wurzelnmit den Liquiden 1, r und den Nasalen m, n nicht primär ist, sondern Ersatzfür einen unbestimmten silbischen Murmellaut, der sich aus den Liquiden undNasalen entfaltet hat.

Brugmann knüpfte seine Untersuchungen 1 ) an die längst erkannte Tat-sache, daß in den griechischen Medialpassiv - Formen auf -atai -ato, z. B.

1) Nasalis Sonans in der indogermanischen Grundsprache, Curtius' Studien zurgriech. und latein. Grammatik IX (1876), 285338; Zur Geschichte der stamm-abstufenden Deklinationen, l.Abhandl.: Die Nomina auf -ar- und -tar-, ebd. 361406.