XXXVI Einleitung.
und einige Jahre später Adalbert Bezzenberger 1 ) eingehend be-gründet.
Weiter aber gingen Lazarus Geiger (1868) 2 ), Arthur Amelung(1871—73)3), Gustav Humperdinck (1869—1874)4), Wilhelm Bege-mann (1873—74)5). Sie verwarfen die bis dahin allgemein, selbst noch vonScherer anerkannte, auf Grimm, Bopp, Schleicher zurückgehende Vokalismus-Theorie, nach der im Ablaut der Konjugation wie der Wortbildung die ein-fachen Laute der Stammsilben als Grundvokale, die Diphthonge als ihreSteigerungen galten. Sie betrachteten umgekehrt die Diphthonge hier alsGrundvokale und erkannten, daß sie als Zwielaute aus vokalischem Haupt-laut und halbvokalischem Nachlaut (ai, ei, oi; au, eu, ou = aj, ej, oj; aw, ew,ow) auf einer Stufe stehen mit den aus Vokal + Konsonant zusammengesetztenStammsilbenlauten (al el ol, am em om, ar er or usw.), daß also die soge-nannte i-Klasse und u-Klasse der germanischen starken Verba (got. steiganstaig stigum stigans; -biudan -baup -budum -budans) die Stammsilbenlautein derselben Ordnung wechseln wie die übrigen Verbalklassen und daßihnen als ursprünglicher Grundvokal ebenso wie den Verben der Typenahd. neman nam, helfan half, bindan bant, geban gab ein im Griechischenrein bewahrter e-Laut zukomme, dem als Ablaut im Singular Präteriti ein aufälteres (im Griechischen erhaltenes) o zurückgehendes a zur Seite stehe: 81p-xo^ai 'ich sehe', §£8opxa'ich habe gesehen', Spoweiv Infinitiv des Aorists; tpina 'ich
1) Über die a-Reihe der gotischen Sprache und im Nachwort zur dritten Auf-lage von Ficks Wörterbuch Bd. III: 1874.
2) Ursprung und Entwicklung der menschlichen Sprache und Vernunft, Stutt-gart, Cotta, 1868, S. 164 ff. 429 ff. 483.
3) Die Bildung der Tempusstämme durch Vokalsteigerung im Deutschen,Berlin, Weidmannsche Buchhandlung, 1871; Der Ursprung der deutschen A-Vokale,Zeitschr. f. d. Altert. 18 (1875), S. 161—220; Erwiderung (auf Leo Meyers Kritik),Zeitschr. f. vergl. Sprachforschung 22 (1876), S. 361 ff.; Die Perfecta der schwachenKonjugation, Zeitschr. f. d. Altert. 21 (1877), S. 229—253.
4) Die Sprachlaute physiologisch und sprachwissenschaftlich betrachtet, Pro-gramm d. Progymnasiums Siegburg 1868—69 (erschienen 1869), § 8 Anm. 9. § 10.13. 19. 27—34; Die Vokale und die phonetischen Erscheinungen ihres Wandelsin Sprachen und Mundarten, Progr. d. Progymn. Siegburg 1874, S. 43f.; vgl. Humper-dincks Kritik von Corssen, 'Aussprache, Vokalismus und Betonung der lateinischenSprache', Zeitschr. f. d. Gymnasialwesen, XIV (1860), S. 203—209, und seine Ab-handlung 'Über die Aussprache des Griechischen', ebd. XXII, N. F. II (1868), S.886—889.
5) Das schwache Präteritum der germanischen Sprachen, Berlin, Weidmann,1873, Vorrede S. IX ff.; Zur Bedeutung des schwachen Präteritums, ebd. 1874, Vor-rede S. XL ff.