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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
Seite
XXXVII
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Einleitung. XXXVII

wende', Tporc/5 'Wendung', Tparcelv Infinit, des Aorists; XsiTtw 'ich verlasse', Xe-Xoirca 'ich habe verlassen' (= *Xejrca> XeXojrca), Ximstv Inf. des Aorists; IXeoao[iou(= *iXswao[mi) 'ich werde kommen', elXTjXooöa (= * slX-qXow&a) 'ich bin ge-kommen'. Von dem a in Spaxefv, oraXelv, Tpairsiv vermutete Humperdinck, daßesnur durch den Trieb zur Klärung des undeutlichen Halbvokalklanges ur-sprünglicher Stämme [mit silbischer Liquida] d'rk, st't, frp herbeigeführt sei",dem im Präsens das e vortrete, genau wie neben (po-feiv, rnftelv [mit silbischemHalbvokal 0 = w und 1 = j] im Präsens ^§6710, nsid-oi erscheine. Und Bege-mann erkannte, daß in altind. veda (d. i. väida) 'ich weiß' vidmä 'wir wissen'= griech. olSa ISjjlsv = got. wait witum = nhd. weiß wissen nicht der kurzeVokal der Mehrzahl ursprünglicher sei, wie mit den indischen Grammatikerndie moderne Sprachwissenschaft gelehrt hatte, sondern der Diphthong derEinzahl. In den altindischen Perfekta von Verben mit innerem r, die in derEinzahl ar, in der Mehrzahl r zeigen (Singular tatärpa dadärca sasärpa nebenPlural tatrpus dadrcüs sasrpüs) wurde zwar von den indischen Grammatikernauch das silbische r des Plurals als ursprünglich angesehen. Aber die moderneSprachwissenschaft faßte es richtiger als eine Kürzung aus dem ar desSingulars:die Betonung der Endung schwächte den Stamm, während in derEinzahl durch den Ton der Stamm geschützt wurde". Begemann fragte nun:soll in veda (väida) vidus ['sie wissen'] ein anderes Verhältnis vorliegen?"und verneinte das, weil auch sonst im Altindischen überall die PluralformenSchwächung zeigen. Daher verwarf er die bisherige Annahme,daß alleinbei den angeblichen i- und u-Wurzeln in der Mehrzahl die ursprünglicheLautgestalt enthalten sei", und schloß:so sind auch got. bitun ['sie bissen'von beitan 'beißen'] und bugun ['sie bogen'] aus baitun und bugun entstanden,natürlich nicht erst in germanischer Zeit, sondern schon früher, wie got.witum = ind. vidmä = griech. l'Sjisv (für älteres *!S[jiv) zeigen".

Die Erkenntnisse dieser vier Außenseiter der deutschen Sprachforschungfanden, da ja in Deutschland überhaupt die wissenschaftliche Entwicklungausschließlicher als in anderen Kulturländern von den Lehrstühlen der führendenFachprofessoren an den Universitäten und den mit ihnen eng verbundenenZeitschriften bestimmt wird, zunächst keine Anerkennung, ja kaum Beachtung.Und doch waren diese vier Einsamen die Pioniere einer großen Verschiebungder sprachwissenschaftlichen Grundlage, die Jacob Grimm, Bopp und Schleichergeschaffen hatten.