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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
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XXXIV
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XXXIV Einleitung.

lassen sich also nicht zu Einheiten zusammenfassen, die von entsprechendenethnischen Einheiten auf einmal ererbt werden. Die Geschichte der indo-germanischen Sprachen und genau ebenso die Geschichte der romanischenTochtersprachen des Lateinischen und die Geschichte ihrer Dialekte, die Ge-schichte der germanischen Einzelsprachen und ihrer Mundarten verwandeltsich aus einer Geschichte genealogischer Spaltungen und Verzweigungen vonSprachstämmen in eine Geschichte zahlloser örtlich und zeitlich getrennter, inihrem Aufkommen, ihrer Ausbreitung und ihrem Erlahmen zu verfolgenderSprachneuerungen, deren Verbreitungsgebiet, theoretisch betrachtet, für jedeeinzelne Sprachneuerung ein anderes sein kann. Es gibt also, dies ist dieletzte Konsequenz, theoretisch überhaupt keine Spracheinheiten, keine einheit-lichen Mundarten mit geschlossener Eigenart. Es gibt keine Sprachgrenzenals festen, ererbten Ausdruck ethnischer Spracheinheit. Es gibt vielmehr nurgeschichtlich und geographisch bedingte Sprachprozesse, ein Gewirr paralleleroder sich kreuzender, niemals identischer Linien. Durch diese Erkenntnis warder lähmende Bann gebrochen, den die mannigfachen sich widersprechendenStammbaumsysteme über die indogermanische Sprachforschung verhängt hatten.Es war Luft und Licht geschaffen für eine wirkliche Geschichte des sprach-lichen Werdens.

Jetzt erst, nach Scherers voranschreitender Tat und Lehre, nach JohannesSchmidts neuer aus der Beobachtung lebender Sprachen und Mundarten(bereits sechs Jahre vor dem junggrammatischen Glaubensbekenntnis) ge-schöpfter Theorie des Sprachwandels und der Sprachverwandtschaft war mitvoller Entschiedenheit die vergleichende Methode, dieses wichtigeWerkzeug der historischen Schule, in den Dienst des Entwicklungs-gedankens gestellt, jetzt erst einer wirklich rekonstruierenden Ver-gleichung der urverwandten indogermanischen Sprachen, die Schleicher zuersternsthaft erstrebt und versucht hatte, freie Bahn geschaffen und zugleich vonhier aus das gleiche Verfahren der Rekonstruktion für die den germanischenEinzelsprachen zugrunde liegende urgermanische Sprache wie für ihre beidenzuerst von Müllenhoff sicher unterschiedenen Zweige, das Ostgermanische unddas Westgermanische (vgl. darüber Scherers Kleine Schriften I, Vorwort S. XII f.)ermöglicht.

Den Charakter dieser neuen Epoche der indogermanistischen und der ger-manistischen Sprachwissenschaft bestimmt vor allem die entschlossene Wendungzum vorgeschichtlichen Zustand der Sprache und die starke Bevor-zugung der Lautgeschichte. Die gefeierten Bannerträger auf den neuenWegen waren der mehr noch als durch seine Schriften persönlich in Vor-lesungen und Gespräch methodologisch anregende Slavist August Leskien,