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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
Seite
XX
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XX Einleitung.

sie einem Eisengerät vergleicht, das auch zerbrochen nicht verloren geht, sondernaus den Stücken immer neu geschmiedet werden kann. Aber Jacob Grimmrückt dabei dieses Gleichnis doch wieder in die Natur Sphäre, indem er darindie mütterliche Unermüdlichkeit ausgedrückt findet. Der schaffende Sprach-geist ist ihm ein nistender Vogel, der von neuem brütet, nachdem ihm dieEier weggetan, und Dichter und Schriftsteller vernehmen in der Begeisterungund Bewegung durch ihr Gefühl sein unsichtbares Walten. Die menschlichengeistigen Bildner der Sprache erscheinen also Jacob Grimm gewissermaßennur als Diener und Werkzeuge der mystischen Macht jenes unsichtbar ge-waltigen Sprachgeistes.

Diese neue Sprachauffassung, die in der 'Deutschen Grammatik' um-wälzend hervortrat, ist freilich nur die Frucht und wissenschaftliche Folgerungder Gedanken, die auf den geistigen Bahnen der großen Vorläufer derRomantik im 18. Jahrhundert, vor allen Vicos, Addisons, Bodmers, Hamanns,Herders und Goethes herangereift waren. Und zweifellos hat gerade GoethesWeltbetrachtung unmittelbar hier ein spornendes Vorbild geliefert. Suchte erdoch die Natur wie die menschliche Geschichte zu fassen durch das Ver-fahren einer universellen Vergleichung, durch die Fahndung nach dem Typusund dem Urphänomen, die der späteren genetisch-evolutionistischen Methodevorarbeitete, und schuf er doch in seiner Selbstbiographie das erste Beispieleiner Verwandlung der Lebensbeschreibung in eine Lebenserklärungund in eine Ableitung der Individualität aus geistigem Erbe und geistiger Um-welt. Hier liegt der Punkt, wo die Romantik, die so vielfach eine SchülerinGoethes war, einerseits der Richtung seines Denkens einen stützenden undfördernden Anstoß gab, anderseits aber aus Goethes großartiger Sachlichkeit,seiner gegenständlichen und realistischen Anschauung berichtigt wurde. Undhier auch gerade befindet sich die Stelle, wo Goethes Denkweise mitgeholfenhat, die Brüder Grimm und auch Lachmann aus dem Bann der romantischenGeschichtsvernebelung, der romantischen Spekulation zu befreien.

Das Buch über Goethes wirkendes und empfangendes Verhältnis zu denBrüdern Grimm ist noch zu schreiben. Aber schon ein Hinweis in der Vorredezum ersten Bande der 'Deutschen Grammatik' zeigt eine wichtige Spur. JacobGrimm beruft sich da in einer Anmerkung auf einen kurze Zeit zuvor (1817) er-schienenen Ausspruch Goethes in seiner Erörterung 'Deutsche Sprache', dieanknüpfte an einen Aufsatz Karl Ruckstuhls, eines Deutschland liebenden,Napoleon hassenden, mit Johann Andreas Schmeller, dem Schöpfer derdeutschen Dialektforschung befreundeten patriotischen Schweizers. Was indieser Erörterung Goethes Jacob Grimm gepackt hat und seiner eigenen An-sicht als Plattform dient, sind drei gegen die Sprachpuristen, gegen die kurz-