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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
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Einleitung. XV

ein schlichtes, tiefsinniges und herzliches Vorbild aufgestellt sahen.*) Zwei Jahrespäter ergriff Lachmann als freiwilliger Jäger die Waffen zur Befreiung desVaterlandes. Als Jacob Grimm hier in Berlin am 30. April 1841 seineerste Universitätsvorlesung eröffnete, die über deutsche Rechtsaltertümerhandelte, bekannte er, einst in seiner Jugend, alsdas eintönige Grau derSchmach und Erniedrigung über Deutschlands Himmel hing",Trost undLabung in der Geschichte der deutschen Literatur und Sprache" gesucht undeine Waffe gegen den feindlichen Übermut" darin gefunden zu haben,daßin unscheinbaren, aber unentreißbaren Gegenständen Vorzüge und Eigenartenverborgen lagen und wieder entdeckt werden konnten", die das nationaleSelbstbewußtsein zu stärken geeignet waren.

Auch der ästhetische Universalismus der älteren Romantik hattedie Brüder Grimm wie Lachmann in ihren Anfängen befeuert. Jacob Grimmhat bekanntermaßen spanischen Romanzen, serbischen Volksliedern und fin-nischer Epik, Wilhelm Grimm irischen Elfenmärchen ein selbständiges Studiumzugewendet. Der junge Lachmann lebte in den Dichtungen Tiecks, inCalderon und Shakespeare, übersetzte Shakespeares Sonette und 'Macbeth',war in italienischer Sprache und Dichtung bewandert. Charakteristisch frei-lich der Unterschied: die Brüder Grimm sind angezogen von der sogenanntenVolkspoesie, von der namenlosen Dichtung des Auslands, Lachmann fesseltausgesprochen die kunstmäßige fremde Literatur. Aber jedesfalls, die roman-tische Hochstellung der Poesie lag allen drei im Blut. Jacob Grimm hat seinLeben lang in der Sprache, im Recht, in der Mythologie, in der Sitte daspoetische Element aufgespürt und dargestellt: er hat, um ein bekanntes schönesWort Uhlands über ihn aus der Frankfurter Germanistenversammlung von1846 zu wiederholen, in seiner Forschung überallden Goldfaden derPoesie gesponnen". Wilhelm Grimm hat mit liebevoller Vertiefung Einzel-erscheinungen aus der Geschichte der poetischen Literatur und ihrer Formen,daneben auch solche der bildenden Kunst ins Auge gefaßt und wissenschaft-

1) Vgl. Wilhelm Grimms Kleinere Schriften II 504. 505. Beziehungen derBr. Grimm zu Hessen I 24. 26, III 157. 163. 181; Briefe der Br. Gr. aus derJugendzeit 212. 222. 223. 226. 512; Briefe der Br. Gr. an Benecke 183; AdolfStoll zu Ludwig Grimms Lebenserinnerungen (Leipzig 1913) 136 f. Jacob undWilhelm Grimm forderten (wahrscheinlich Dezember 1813) ihre beiden BrüderLudwig und Ferdinand brieflich auf, als Freiwillige am Kriege teilzunehmen. Aberdiese hatten sich schon vorher aus eigenem Antrieb dazu entschlossen. Ludwigund auch noch der dritte Bruder Karl Grimm sind dann auch wirklich ins Feldgezogen. Der 'Arme Heinrich' erschien erst im Spätsommer 1815: als Erlös liefertenJacob und Wilhelm trotz ihrer eigenen Armut 194 Taler an den Kasseler Frauen-verein ab.