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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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genoß, und deren Poesien er in großer Zahl vertonte. Auf dem Gebiete des Liedeshat Bungert reiche und allseitige Anerkennung gefunden. Aus seinem großenLiederschatze seien erwähnt:Liebesbriefe" in Liedern (op. 26), dasVaterunser",Maria an der Wiege", derSandträger",Bettlerliebe",Über die Heide" undSchwanengesang" aus dem ZyklusVerlorene Liebe, verlorenes Leben", sowie dieLieder des Carmen Sylva-Albums. Seine Rheinlieder klingen im Rheinland allerorten,und auch jenseits des Weltmeers haben ihm seinChorlied der Deutschen in Amerika"undErinnerung" aus denMondscheinliedern" reiche Ehrungen eingetragen. Fürdie Bedeutung seiner Lieder spricht auch nicht wenig der Umstand, daß Lili Lehmann,Lillian Sanderson, Kaufung u. a. ganze Konzertabende mit Bungert'schen Liedernveranstalteten. Von seinen Instrumtntalkompositionen sind außer Klavierwerken undeinem preisgekrönten Klavierquartett seine Orchesterwerke größeren Stils zu nennen:Symphonische Ouvertüre zu Torquato Tasso, das symphonische GedichtAuf derWartburg" (beide auch hier aufgeführt) und seine Musik zu GoethesFaust", dieder Meister vor einigen Jahren für die Goethe-Festspiele in Düsseldorf komponierthat und die einen bedeutenden Eindruck hinterließ.

Bungerts Haupt- und Lebenswerk bilden endlich die Musiktragödien derhomerischen Welt: Kirke, Nausikaa, Odysseus' Heimkehr und Odysseus' Tod. Dasgewaltige Werk wurde zum 1. Male an der Dresdener Bühne unter Schuch mitgroßem Erfolge aufgeführt. Leider hat der Sinfoniker und Dramatiker noch nichtdasjenige Maß von Anerkennung gefunden, wie der Lyriker, und wenn es auchbegreiflich ist, daß eine außergewöhnliche Erscheinung und stark ausgeprägtePersönlichkeit energischen Widerspruch findet, so sind dennoch die starken An-feindungen, gegen die der Meister immer noch zu kämpfen hat, höchst bedauerlich,und wir schließen uns voll und ganz F. A. Geißler an, der im ersten DezemberheftderMusik" eine Würdigung Bungerts und seiner Werke also beschließt:WennA. Bungert auch noch längst nicht an dem Ziele ist, das sich jedes Künstlers Wunschin der allgemeinsten Anerkennung seiner Hauptwerke steckt, so darf er doch vollBefriedigung auf sein Leben und Wirken zurückschauen . . . und mag alles weitereder Zeit überlassen, der mächtigen Verbündeten alles dessen, was in der Kunstehrlich und groß ist."

Wir sind am Schlüsse unserer Aufzeichnungen angelangt. Möge das Musik-leben Mülheims weiter blühen und gedeihen, möge die Stadtverwaltung in Verbindungmit kunstsinnigen Gönnern den Vereinen recht bald ein würdiges Konzerthaus schaffen!

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