Druckschrift 
Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
334
Einzelbild herunterladen
 

Der Weg zum Glück" (Festspiel).Engelbert" (Drama).Cäcilie" (Libretto).Heimwärts" (Gedicht).Festklänge".

Hermann Dickmann, geboren 1836 zu Mülheim a. d. Ruhr, war zuerst Lehrerund ließ sich dann als Schriftsteller in Wiesbaden nieder. Er starb am 29. Juni 1897.Dickmann beherrscht mit außerordentlicher Gewandtheit die Form. Der Wohllaut seinerVerse nimmt uns unwillkürlich gefangen, seine Lieder sprudeln von Geist und Humor.Er offenbart sich in seinen Gedichten als ein Mann, der das Herz auf dem rechtenFlecke hat, der mit klarem Verstände beobachtet und scharfen Spott über dasausgießt, was er tadelnswert findet, jedoch auch manch gute Lehre zu geben weiß.Er ist auch dabei ein billig Denkender, der es für Recht hält, daß jedem das Seinewird, ein Sänger, der alles Schöne und Gute preist, und ein Freund heiteren Lebens-genusses. 1869 gab er unter dem Pseudonym Franz Othen einen Band Gedichteheraus; ferner erschienen unter seinem eigenen Namen:Ein Lebensspiegel."NeuerFrühling."Rätselbuch."Die Welt im Becher."Jedem das Seine."

Friedrich Röhrscheidt, geboren 1829 zu Schwerte, seit 1862 Schreiner-meister in Mülheim. Er starb 1902. Die Feldzüge von 1864, 1866, 1870/71 gabenihm in erster Linie Veranlassung zu seinen Gedichten, die er mit Vorliebe nach denMelodien alter deutscher bezw. preußischer Vaterlandslieder setzte. Röhrscheidt istder Verfasser des vielgesungenen Benedek-Liedes, das in Tausenden von Exemplarennach Böhmen wanderte. Für seine patriotischen Lieder erhielt er eigenhändigeAnerkennungsschreiben von Bismarck und Roon. Durch großen Absatz wurde er sowohlim Jahre 1866 wie auch 1870/71 in die Lage versetzt, Gelder für die Krankenund Verwundeten zu überweisen. Auch seine Gelegenheitsgedichte, in denen erwiederholt Übelstände auf den verschiedensten Gebieten in satirischer Weisegeißelt, fanden mehr oder weniger Anklang; vor allem das illustrierteGroße schöneAmtsgericht zu Mülheim-Ruhr", noch mehr das bei Gelegenheit des Einsturzes derAuerstraßenschule verfaßte GedichtDer Hexenmeister".

Wilhelm Sander, 1838 in Mülheim a. d. Ruhr geboren, von Beruf Konditor,starb daselbst 1905. Vom Jahre 1869 bis zu seinem Tode gehörte er der Vertretungder evangelischen Kirchengemeinde an, wobei er sich um die Selbständigmachung derAußenbezirke und die Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinde großeVerdienste erwarb. Sander verfaßte eine große Zahl patriotischer Dichtungen. Erbesang den alten Heldenkaiser und seine Paladine, von letzteren besonders oft denFürsten Bismarck. Bei allen öffentlichen kirchlichen Feiern erschien er mit einerGabe seiner Muse. Geschah in Mülheim etwas Wichtiges, so brachte er es inReimen zur Darstellung. Auch sein frommer Sinn und seine Liebe zur Naturveranlaßten ihn zu manchem Gedichte. Sander war ein volkstümlicher Mann. SeineFestgedichte packten immer, mochten sie nun ein hochdeutsches oder ein platt-deutsches Gewand tragen. Aus seiner reichen Gedichtsammlung seien einigeGedichte angeführt:Ein ernstes Wort zum Sedantage",Nachruf an unseren all-verehrten großen Kanzler Fürst Bismarck",Des Kanzlers Wort",Was denken dieMülheimer beim Anblick des Gänseplatzes und seiner Umgebung",Möllm wättGruatstadt",Nou üs et ewer faß, det de Saldote kumme".

Dr. med. Otto Julius Quehl, 1857 zu Schwedt geboren, ließ sich 1888in Heißen bei Mülheim (Ruhr) als prakt. Arzt nieder, siedelte 1890 nach Broich und1897 nach Mülheim (Ruhr) über. Quehl ist unter den lebenden Dichtern Mülheimsunstreitig der bedeutendste. Seine Sprache ist bilderreich und voll Schwung, dieDarstellung anziehend. Sein EposEin Sang an der Ruhr" verdient die weiteste

334