Einen ganz neuen, gewaltigen Umschwung brachte dem Kriegervereinswesendie große Zeit der Kriege von 1864, 1866 und namentlich von 1870/71. Überall, inStädten und Dörfern, entstanden neue Vereine; zu Hunderten und Tausendenbildeten sie sich in überraschend kurzer Zeit. Mit der neuen Zeit waren auchdie Ziele gewachsen. Es handelte sich nicht mehr wie bei den alten Militär-Begräbnis-Vereinen lediglich um die fromme Pflicht militärischer Leichenbestattung.Die Erinnerung an die militärische Dienstzeit, besonders an die gemeinsam verlebteFeldzugszeit, die Absicht, sich gegenseitig kameradschaftlich zu helfen und in Zeitender Not zu unterstützen, die Freude an der großen deutschen Herrlichkeit, die Freudeam neuen Reiche, besonders aber die innige Verehrung für den großen Kaiserführte die Kameraden zusammen.
Ein weiterer Grund der mächtigen Entfaltung der Kriegervereine lag in demUmstände, daß die meisten der neugegründeten Vereine sich nicht wie die früherenauf Feldzugsteilnehmer beschränkten, sondern jeden ehrenhaften, monarchisch undnational gesinnten Mann aufnahmen, der seine Dienstzeit treu erfüllt hatte. Damitwar die Gefahr des allgemeinen Aussterbens der Vereine beseitigt. Die Vereineerneuerten sich von Jahr zu Jahr bei jeder Reservisten-Entlassung, sie bildetengewissermaßen die Fortsetzung der aktiven Armee und wuchsen heran zu der„Armee im Bürgerrocke".
Um diese Zeit, also kurz nach Beendigung des letzten glorreichen Feldzuges,bildeten sich auch hier in Mülheim die ersten Kriegervereine, die sich zunächstausschließlich aus Kriegsteilnehmern rekrutierten. Allmählich erwachte dann auchbei den bestehenden Vereinen des Kreises Mülheim a. d. Ruhr und der Nachbar-kreise das Verlangen, zur Betätigung gemeinsamer Interessen sich zusammen-zuschließen zu einem Verbände. Die erste Vertreterversammlung des neu gegründetenVerbandes fand am 13. August 1876 in Oberhausen statt. Vierteljährlich entsandtendie angeschlossenen Vereine für je 50 Mitglieder einen Vertreter. Derselbe Modusgilt auch heute noch. Dem jungen Verbände gehörten folgende Vereine an:
Kriegerverein Alstaden .......mit 110 Mitgliedern
Ruhrort ........ „120
„ Holthausen-Menden-Raadt „ 87 „
„ Haarzopf ....... „ 90 „
„ Oberhausen...... „160 „
„ Eppinghofen-Mellinghofen „ 65 „
„ Broich ........ „ 100 „
„ Meiderich ....... „120
Mülheim ........ „245
Landwehr- und Reserveverein Beeck . „ 105 „
Vaterländischer Kriegerverein Ruhrort . „ 200 „
Krieger-Unterstützungsverein Meiderich „ 193 „
Kriegerbund Mülheim ........ „ 70 „
Die Gesamtstärke des Verbandes betrug also bei der Gründung 13 Vereinemit 1 658 Mitgliedern. Alljährlich feiert man ein gemeinsames Verbandsfest, mit demeine Parade sämtlicher Vereine verbunden ist.
Im Jahre 1886 trat eine Erschlaffung im Verbandsleben ein; nur noch dreiVereine, der Broicher, Mülheimer und der Heißen-Winkhausener Kriegervereingehörten damals dem Verbände an. Drei Jahre, von 1886—1889, setzen deshalbdie Verbandsprotokolle aus. Im Jahre 1889 beschlossen die drei Vereine, ein letztes
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