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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Festere Formen nahmen die neuzeitlichen Bestrebungen in dieser Richtung an.Zuerst war es der Steele-Mülheimer Kohlenverkaufsverein, gegründetam 1. Mai 1891 mit dem Sitze in Mülheim, der verschiedene Zechen: ver. Wiesche,Alstaden und Humboldt vereinigte, um die Kohlen durch eine Zentralstelle vertreibenzu lassen. Dann wurde 1893 von den meisten Zechen des Ruhrbezirkes dasRheinisch-westfälische Kohlensyndikat in Essen zuerst auf 5 Jahregegründet, der Vertrag aber schon 1895 revidiert und das Syndikat auf 10 Jahrebis Ende 1905 verlängert. Um die Gründung dieses bedeutenden Syndikates hatsich Geheimer Kommerzienrat Emil Kirdorf, der seit kurzem sein Domizil im hiesigenSpeldorfer Walde aufgeschlagen hat, im höchsten Grade verdient gemacht. DerKohlenverkaufsverein und der Brikettverkaufsverein, dem Wiesche mit seiner Brikett-fabrik angehörte, schlössen sich dem Syndikate an und gingen schließlich ganz indasselbe auf, ebenso wie das 1890 gegründete Westfälische Kokssyndikat inBochum. Die ganze Kohlen-, Koks- und Brikettfabrikation steht von -da ab alleinzur Verfügung des Kohlensyndikats, welches jetzt bis 1915 vertraglich gesichert ist.Die Zechen waren hierdurch gegen ihre eigene Konkurrenz geschützt, nicht aberdie Händlerfirmen und Reedereien, welche ihren Bedarf wohl beim Syndikat deckten,sich aber im Übrigen scharfe Konkurrenz machten. Diese zu beseitigen war dasBestreben der größeren Beteiligten unter Mitwirkung des Syndikates. Eine loseVereinigung hatte ein oder zwei Jahre bestanden, war aber wieder eingegangen.Erst als 1903 das Syndikat erneuert wurde, kam am 12. Dezember 1903 die festeVereinigung zustande unter der Firma „Rheinische Kohlenhandel- undReedereigesellschaft m. b. H." (kurz Kohlenkontor genannt) mit dem Sitzein Mülheim, deren Büros sich in dem ehemaligen neuen, jetzt vergrößertenGeschäftshause der Firma Mathias Stinnes befinden. Leiter ist KommerzienratWeyhenmeyer; die Gesamtzahl der Angestellten beträgt 312, davon sind in Mülheim120, in Mannheim 129 und in Duisburg-Ruhrort 63 beschäftigt. Zunächst gehörtendie vier Zechen besitzenden Firmen Mathias Stinnes, Kannengießer, Hugo Stinnes zuMülheim und Haniel zu Ruhrort dem Kontor an. In Erfüllung des zwischen denGründern abgeschlossenen Vertrages traten diesem auch die übrigen Firmen bei,soweit sie mindestens 50000 t an Syndikatsprodukten im Durchschnitt der letzten3 Jahre für eigene Rechnung bezogen und im Interessengebiet des Kohlenkontorsabgesetzt hatten.

Das Kohlensyndikat übertrug dem Kohlenkontor mit Wirkung vom 1. April1904 ab den Alleinverkauf seiner Produkte nach Süddeutschland, der Schweiz,Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oesterreich ob der Enns, den französischen Departementsdu Doubs und de la Haute-Saöne und dem Territoire von Beifort, sowie nach denRheinstationen von den Ruhrhäfen aufwärts und nach Holland, soweit die Anlieferungauf dem Wasserwege des Rheins erfolgt. Das Kohlenkontor hat seinerseits wiederumden Alleinverkauf nach Holland der Steenkoolen-Handels-Vereeniging in Utrechtübertragen und ist mit den hier in Frage kommenden Mengen dieser Vereinigungals Gesellschafter beigetreten.

Dem Kohlenkontor stehen die Reedereien, Umschlagseinrichtungen, Lagerplätzeund Brikettfabriken seiner Gesellschafter gegen Zahlung gewisser Vergütungen zurVerfügung.

In Mannheim wurde eine Zweigniederlassung und in Ruhrort ein Hafen-versandbüro errichtet, ebenso sind in Mainz, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Lauterburgund Mülhausen i. E. Vertreter bestellt, welche den Umschlagsverkehr und den

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