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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Kreise, Städte oder andere Abtheilungen bestimmt gewesen sein", die Provinzial-Feuerversicherungsanstalt der Rheinprovinz gebildet worden (cfr. § 2 des Reglementsfür diese Anstalt, Gesetz-Sammlung pro 1836, Seite 13 ff.) Es war nicht festzustellen,ob die obenerwähnte Feuer-Assekuranz-Gesellschaft für die Herrschaft Broich umdiese Zeit noch bestanden hat und mitübernommen worden ist.

Außer der Provinzial-Societät sind heute hier fast alle größeren Feuer-Versicherungsgesellschaften vertreten, ferner solche gegen Einbruch, Diebstahl, Vieh-,Hagel- und Transportschaden, im ganzen etwa 50 Gesellschaften, darunter einigeausländische.

h) Das Handwerk.

Auch für das Handwerk bedeutete der Anfang des 19. Jahrhunderts einenentscheidenden Wendepunkt. Die Franzosen brachten die Befreiung aus denFesseln der Zunft (1809) *). Allzuviel Bedeutung wird man allerdings dieserMaßnahme für unsere Stadt nicht zuweisen dürfen, da sich das hiesige Handwerk damalsin den bescheidensten Grenzen bewegte. Durch die Hausindustrie und dadurch,daß in den Haushaltungen viele Sachen selbst angefertigt wurden, war eine Ent-wicklung des Handwerks beträchtlich erschwert; andererseits aber kann man vieleder damaligen „Fabriken", welche kaum über 1—2 Arbeiter beschäftigten, alshandwerksmäßige Unternehmungen ansehen. Auch durch die um die Mitte desvorigen Jahrhunderts beginnende Entwicklung des Großgewerbes wurde der Hand-werksbetrieb nicht günstig beeinflußt, er wußte sich aber den verschiedenen Ver-hältnissen im Laufe der Zeit immer wieder anzupassen. Heute ist der Handwerker-stand in Mülheim ein Hauptvertreter des erwerbenden Mittelstandes.

Um 1850 begann das Handwerk sich teilweise zu organisieren, der Zusammen-hang ging jedoch durch die allgemeine preußische Gewerbefreiheit 1862 wiederverloren. Erst im Jahre 1874 bildete sich in Alt-Mülheim eine Vereinigungselbständiger Handwerksmeister, an deren Spitze der Schuhmachermeister GustavWesthoff und Zimmermeister Linzbach standen. In den jetzt eingemeindeten Ortenentstanden ähnliche Vereine. Der Handwerkerstand hatte sich um diese Zeit sogekräftigt, daß er für die Reichstagswahl 1879 einen eigenen Kandidaten aufstellte,der es im Wahlkreise auf 6—8000 Stimmen brachte. Später lösten sich die Vereineauf, und ein großer Teil der Mitglieder schloß sich dem Gewerbeverein an. Erstals die Aufgaben und Rechte der freien Innungen durch Gesetz vom 18. Juli 1881wesentlich erweitert wurden, brach sich der Innungsgedanke auch hier Bahn. Esentstand als erste die freie Metzgerinnung und bald darauf die freie Bäcker- undConditorinnung.

Von den jetzt hier bestehenden 10 Innungen sind 7 Zwangsinnungen,d. h. solche, welche aus der Zeit nach Erlaß des sogenannten Handwerkergesetzes vom26. Juli 1897 stammen und auf Antrag der Mehrheit der beteiligten Gewerbe-treibenden seitens der höheren Verwaltungsbehörde eingerichtet worden sind, undwelchen alle selbständigen Handwerker des betreffenden Gewerbezweiges als Mit-glieder angehören müssen. In den freien Innungen besteht kein Mitgliederzwang.

J ) Das Nähere oben S. 58 f. In den Inventarisationsprotokollen von 1812 werden uns alsMitglieder der Schuhmacherzunft (einschließlich der Lohgerberzunft) genannt: WilhelmForsten, Heinrich Ostkremsgen, zwei Johann Küpper, Heinrich Godder, Heinrich Stahls; als Mit-glieder der Schmiedezunft: Heinrich Volterhof, Hermann Storp, Hermann Schäfer, Johannvon der Berg, Johann Schlittmann. (Mitteilung des Herrn Privatdozent Dr. Hashagen.)

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