Für den Einkauf des Rohmaterials sind die Häuteauktionen von größterWichtigkeit, die, an allen größeren Plätzen Deutschlands eingerichtet, den direktenVerkehr zwischen Metzger und Gerber gestatten. Der Gerbstoff wird aus allenLändern der Welt bezogen; an Gerbmaterialien kommen außer deutscher, holländischerund ungarischer Lohe: Quebracho, Myrabolanen und Sumach in Betracht, auchwerden viele Extrakte verwendet, die teils in Deutschland, teils in Italien, Slavonien,Frankreich und Argentinien hergestellt werden. Die früheren vielen Lohmühlen sindbis auf eine einzige, die alte Becker'sche, verschwunden. Die Gerber lassen sowohlin dieser wie auswärts mahlen; teils haben sie eigene Mühlen.
Für den Absatz der Fabrikate sind die Messen, auf denen hauptsächlich nurnoch nach ausgelegten Mustern verkauft wird, fast ohne jede Bedeutung. Heutebedient man sich immer mehr der Vertreter und Exporteure, die den Verkauf nachallen Weltgegenden vermitteln. Die größeren Firmen sind an vielen Plätzen inEuropa und Übersee direkt vertreten, unterhalten auch Konsignations- und Muster-lager an mehr als 20 großen Weltplätzen. 1848 gab es hier 8 Gerbereien, 1866 20;heute sind es über 40. Die Zahl der Arbeiter und Beamten in der Gesamtleder-industrie betrug 1860 120, 1865 240, heute beträgt sie rund 1200, und der Wert derProduktion im Jahre 1907 nach sorgfältiger Schätzung 11—12 Millionen Mark.
f) Brauereien, Brennereien und Malzfabriken.
Der Brauereibetrieb war in früheren Zeiten fast regelmäßig mit einer Wirtschaftverbunden, es braute jeder Wirt sein Bier selbst, bezw. der Brauer war meistensWirt und führte sein eigenes Bier. Allmählich, mit zunehmendem Konsum, gingendie Brauereien dazu über, auch über ihren Bedarf hinaus für den Verkauf zu produzieren.Solche Brauereien bestanden hier am Platze bis in die jüngste Zeit hinein, z. B. dievon Wilhelm Kirchhofes und Carl Hill. Von Brauereien aus den 50er Jahren undfrüher sind zu nennen: Hermann Brauer, Bäcker und Wirt zu Heißen; Franz Güldenberg,Brauerei und Wirt; Hackstein, Gastwirt und Brauerei; W. Hempelmann (Zum Engelim Feld), Wirt und Brauerei in Menden; F. Hermanni, Brauerei und Ökonom der„Erholung"; Anton Holthaus, Gastwirt und Brauerei zu Broich; Mathias Krön, Gastwirtund Brauerei zu Saarn; Bernhard Kruse, Bierbrauerei und Wirt; Gerhard Mellinghoff,Brauerei und Ellenwarenhandlung; Gerhard Mühlemeier, Gastwirt und Brauerei;J. G. Reuthner, Wirtschaft und Bierbrauerei; Heinr. Schlösser, Wirt und Brauerei;Fritz Scholl, Brauerei und Wirt; Mannes Witthaus, H. Quattelbaum, hier; Blum-Saarn;Carl Nußbaum, hier; Aug. Horstmann-Saarn. Heute wird ausschließlich Lager- undExportbier gebraut, nicht mehr wie früher das sogenannte obergährige Altbier.
Die heutigen reinen Bierbrauereien im modernen Stile sind dem Alternach folgende:
Mendener Engel-Brauerei G. m. b. H., gegründet um die Mitte des vorigenJahrhunderts von Engelbert Hempelmann, nach dessen Vornamen die Brauerei benanntist. 1887 wurde sie vollständig neu gebaut, 1900 ist die Eismaschine hinzugekommen,und 1905 ging die Brauerei auf die jetzige Firma über, welche die Anlagen renovierteund vergrößerte. Das Betriebspersonal beträgt 21 gegen 3 bei Gründung.
Löwenbrauerei Heinr. Dinsing, seit 1. Mai 1877 Eigentum des jetzigenBesitzers, gegründet 1850 von H. Sellerbeck. 1878 wurde sie vergrößert und spätereine Eismaschine und elektrisches Licht angelegt. Zahl der Beamten und Arbeiter 16,gegen 2 bei Gründung.
Gebr. Jbing, erbaut 1863von den Gebrüdern Friedrich Jbingf 9. September 1892und Richard Jbing f 1. Februar 1907 im Kassenberg, wurde vor 25 Jahren in großem
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