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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Hermann Wilhelmi senior gegründet und 1895 durch Neuanlagen zum heutigen Um-fange vergrößert. 1898 ging das Geschäft auf die Söhne Heinrich und Hermann Wil-helmi über und ist seit 1905 eine Gesellschaft m. b. H. Beschäftigt sind 150 Personen.Weitaus an erster Stelle steht indessen heute in der Mülheimer Eisenindustriedas Unternehmen der Firma Thyssen & Cie., das im Jahre 1871 in Form einerKommanditgesellschaft von August Thyssen als persönlich haftendem Gesellschafterund dessen Vater Friedrich Thyssen senior in Eschweiler als Kommanditisten gegründetwurde und jetzt eine offene Handelsgesellschaft ist, deren Inhaber August undJosef Thyssen die Geschäfte leiten. Das Werk, das als „Eisenwalzwerk" 1871 denBetrieb mit 4 Dampfmaschinen, 1 Dampfhammer, mehreren Puddelöfen, 1 Schweiß-ofen, 1 Walzenstraße und 142 Arbeitern begann, hat eine ganz ungewöhnlicheEntwicklung genommen. Es besteht heute aus folgenden größeren Abteilungen:

1. einem Bandeisenwerk mit Verzinkerei für Bandeisen, Bleche, Röhren;

2. einem Stahlwerk mit Blechwalzwerk für Grob- und Feinbleche;

3. einer Blechfassonschmiede für Wellrohre und glatte Rohre;

4. einem Preßbau für Kesselböden und sonstige Kessel- und Preßteile;

5. einem Röhrenwalzwerk, das im Jahre 1878 begonnen und in letzter Zeitganz bedeutend erweitert worden ist;

6. einer Rohrschmiede und Beizerei;

7. einer Maschinenfabrik und Eisengießerei, die neuerdings vor allem für denBau von Großkraftmaschinen bis zu 5200 Pferdestärken erheblich vergrößertworden ist.

Es besitzt außerdem eine eigene Gasanstalt und eine elektrische Zentrale für Kraftund Licht. Die Zahl der Arbeiter stieg bis 1884 auf 1800 und betrug 1906 etwa5500. An Gehältern und Löhnen wurden 1906 rund 7800000 Mark gezahlt. DieErzeugung umfaßte im ersten Betriebsjahre (1872) 2000 t Band- und Flacheisen und1000 t Luppeneisen, insgesamt 3000 t. Vierunddreißig Jahre später, 1906, betrug dieGesamt-Walzwerkserzeugung 235361 t, die Erzeugung an Maschinen und Gußwaren20154 t, und der Gesamtverbrauch an Kohlen und Koks 266842 t. — Mit demWerke stehen eine Reihe Unternehmungen in engster Verbindung. Hier seien diebeiden nächstliegenden erwähnt: Die Aktiengesellschaft für Hüttenbetrieb in Duisburg-Meiderich und die Gewerkschaft Deutscher Kaiser in Bruckhausen und Hamborn sowiein Dinslaken; Kohlenbergwerke, Eisenhütten, Stahlwerke und Walzwerke sind hiermiteinander verbunden. Von den beiden letztgenannten Werken wird das MülheimerWerk mit Rohstoffen: Kohle und Roheisen, versorgt. Mit der Gewerkschaft DeutscherKaiser zusammen spricht das Mülheimer Werk als sogenannte Thyssensche Gruppeeine recht gewichtige Stimme im Stahlwerksverbande, in dem seit 1904 weit über90°/o der deutschen Stahlwerkserzeugung vereinigt sind. Im Jahre 1871 hatteThyssen & Cie. bezw. August Thyssen, der von Duisburg nach hier übersiedelte,von Gustav Becker Teile des Heckhoffshofes mit aufstehenden Gebäulichkeitengekauft und daselbst, nachdem zuerst der Anschluß an die Berg.-Märk. Bahn her-gestellt war, das Eisenwerk errichtet. Nach und nach vergrößerte die Firma ihrenBesitz durch Zukauf weiterer Teile des Heckhoffshofes etc., erwarb 1884 die frühereMülheimer Maschinenfabrik vormals Becker & Jordan, 1890 das Schloß Styrum undin den letzten Jahren zahlreiche andere Güter und Liegenschaften.

Die Maschinenfabrik vorm. Becker & Jordan, ursprünglich die Tuch-fabrik von Schmachtenberg, welche 1866 abbrannte, wurde am 31. Dezember 1873zwecks Erweiterung und Fortbetrieb der Becker & Jordan gehörigen Maschinen-

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