Vorster Wittib & Söhne, Papierfabrik, Broich;
Vogt J. W., Tuchscheerenfabrik, Motenhof;
Wiskott A. W., Weinhandel.Handel und Gewerbe waren damals recht umständlich und beschwerlich, dieVerkehrssicherheit war nicht groß, jeder mußte für seinen eigenen Schutz sorgen,und die vielen Geldsorten : ) trugen nicht zur Erleichterung bei. Wenn uns auchnun alles sehr kleinlich erscheint, so müssen wir doch bedenken, daß Mülheim damalsimmer noch den Mittelpunkt und Stapelplatz des ganzen unteren Ruhrgebiets bildete.Die verderbliche Wirkung der französischen Wirtschaftspolitik zur Zeit der Fremd-herrschaft wurde bereits an anderer Stelle 2 ) eingehend erörtert. Auch die Alliiertenverschonten Mülheim nicht. Bemerkenswert ist eine Eingabe an die Intendantur vonMünster vom 1. 2. 1814, worin um Rückgängigmachung des angekündigten Durch-marsches von 36599 Mann und 14183 Pferden des Woronzow'schen Corps gebetenwird mit der Begründung, „daß unser armes Dorf, welches bloß die gierige Politikder verhaßten Franzosen zu einer Stadt erhoben, nicht mehr als 568 Häuser zähle,davon die größere Hälfte von armen Schiffsknechten und Bergleuten bewohnt, dieRuhr vom Eise starre und die Uebersetzung auf einer einzigen fliegenden Brückeeine pure Unmöglichkeit sei". Die Mülheimer Kaufleute und Fabrikanten, die seit alterZeit in ihrem gräflichen Kleinstaate sich wohlgefühlt und manche Vorteile auszunutzenverstanden hatten, atmeten erleichtert auf, als endlich die Kriegswirrnisse zu Ende gingen.Von nun ab mehrten sich langsam im neuen Jahrhundert die Geschäfte undFabriken; zu neuer Blüte gelangte der Bergbau durch die Einführung der Dampf-maschinen seitens Dinnendahl, da nunmehr auch die tiefer liegenden Kohlengewonnen werden konnten; 1820 entstand in bescheidenen Verhältnissen die Eisen-und Maschinenindustrie; die Schiffer und Kohlenhändler, voran Stinnes, Mühlenbeck,Krabb, Schmitz u. s. w. machten gewaltige Anstrengungen zu immer weiterer Enwicklungder Schiffahrt und neuer Absatzquellen; 1850 kam die Lederfabrikation zur Blüte. —Verfolgen wir nun diese Entwicklung im Einzelnen.
Vom Beginn des neunzehnten Jahrhunderts bis zur Gegenwart.
a) Steinkohlenbergbau.Mit der Einführung der Dampfmaschine um die französische Zeit warden Gewerken ein Mittel gegeben, ihre alten Gruben wieder aufzunehmen undlohnend zu betreiben. In den Jahren 1809—1810 erbaute Franz Dinnendahl„Feuermaschinen" auf Wiesche, Rosendelle und Caroline, sodaß jede dieser Zechenim Stande war, 800—1000 Scheffel täglich zu fördern. Die Essen-WerdenschenGewerken, welche für ihre von der mittleren Ruhr abzufahrenden Kohlen per Ruhr-karre ca. 4 L /2 Tlr. Mehrkosten hatten, als für die von Mülheim kommenden, klagtenschon 1811, daß sie unter diesen Umständen und bei den hohen Abgaben, welchesie zahlten, gegen die Mülheimer Zechen, auf denen nur der Zehnte und auch diesernur sehr ungenau und lässig nach den Angaben der Schichtmeister 3 ) erhoben würde,nicht bestehen könnten, und sie wurden in diesen Beschwerden von dem E'ssen-
!) In Beilage XII geben wir eine Aufstellung der Geldkurse für die Zeit von 1690—1809.
2 j S. 55 ff.
B ) Der Schichtmeister war auch später für viele Gewerken eine wichtige Person auf derGrube; er brachte ihnen die Ausbeute und teilte ihnen die Neuigkeiten über den Betrieb, den Absatz,die Aussichten etc. mit und wurde, besonders wenn die Ausbeute gut war, reichlich belohnt und traktiert.
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