Die kommunalen Bedürfnisse wurden durch Umlage auf die Grund- undKlassensteuer aufgebracht, doch wurde die unterste Klassenstufe freigelassen. Ineinem Jahre machte man den Versuch, auch diese Stufe heranzuziehen; dabei ergabensich aber so viele Ausfälle und Reste, daß man schon im folgenden Jahre die Klassewieder frei ließ. Im übrigen wurde die Klassensteuer und die Grundsteuer mitgleichem Prozentsatze belastet, die Gewerbesteuer blieb umlagefrei.
1839 wurde die Grundsteuer nur halb so hoch wie die Klassensteuer belastet,weil das Grundeigentum häufig verschuldet sei. Bezüglich der Bestimmung derKlassensteuer wurde festgesetzt, daß die zu 1 Taler und 1 L /a Taler veranlagtenKlassensteuerpflichtigen in den einzelnen Gemeinden höchstens V 2 Taler Umlagezahlen sollten. Außerdem wurde nun auch die Gewerbesteuer der Klasse A (Handels-geschäfte unter einer bekannt gemachten Firma mit kaufmännischen Rechten) belastet,„da die Kaufleute im allgemeinen so vorteilhafte Geschäfte führen, daß sie von ihrerGewerbesteuer eines Tributs zu der Kommunalsteuer sehr wohl verpflichtet zu haltensind". In den folgenden Jahren wurden noch weitere Klassen von Gewerbetreibendenmit ihrer Gewerbesteuer zur Umlage herbeigezogen.
Im allgemeinen waren die Finanzverhältnisse der Stadt nicht ungünstig; nachdemdie Nachwirkungen der Kriege von 1813/15 und die Mißernten der folgenden Jahreüberwunden waren, schwand auch nach und nach die Ebbe in der Kommunalkasse.Als Zeichen gebesserter Finanzverhältnisse kann es gelten, wenn 1823, als es sichherausstellte, daß gewisse Pachtgelder in den vorhergehenden Jahren versehentlichnicht erhoben waren, der Gemeinderat mit Genehmigung der Regierung beschloß,diese Summe, 65 Taler, der Landwehr als freiwilliges Geschenk zur Anschaffungvon Tschakos zu überweisen. Handel und Gewerbe blühten in erfreulicher Weiseauf, besonders der Kohlenhandel, dem auf der Ruhr 1823 eine Flotte von 76 hiesigenEigentümern gehörigen Nachen mit einer Gesamtladefähigkeit von 58160 Zentnernzu Gebote stand. Die Mülheimer Rheinflotte zählte 69 Kähne mit einer Gesamt-ladefähigkeit von 169440 Zentnern-f-der größte dieser Kähne war die Urania der FirmaGombel & Levy, die 5022 Zentner faßte. Von sonstigen Gewerben der damalsvorhandenen Industrie sind hauptsächlich zu nennen die_T_u£th_und Baumwollfabrikation,Leder-, Papier- und Tabakfabriken; auch das Handwerk schritt vorwärts. Im Jahre 1826baute man in Eppinghofen den ersten Backofen, der mit Steinkohlen geheizt wurde.Der Mülheimer Woche jimarkt,, der dienstags und freitags stattfand, zog Verkäuferaus der ganzen Umgegend her; selbst Düsseldorfer Händler beschickten ihn regelmäßig.Die von altersher bestehenden Jahrmärkte, vier in Mülheim und einer in Saarn,bewirkten einen lebhaften Warenumschlag und waren gleichzeitig Volksfeste fürGroß und Klein.
1835 klagte der Bürgermeister über die hohen Armenkosten, die sich auf4500 Taler für die Bürgermeisterei beliefen; er führte das Anwachsen dieser Lastenzum Teil darauf zurück, daß in den benachbarten Gemeinden eine minder geregelteArmenpflege vorhanden sei; da bedauerlicherweise das Verziehen aus einer Bürger-meisterei in die andere freistände, kämen manche Leute, die nur noch wenigarbeitsfähig seien, hierher, ernährten sich kümmerlich ein Jahr lang und fielen dannder hiesigen Armenverwaltung zur Last. Die Ausgaben an laufenden wöchentlichenUnterstützungen beliefen sich im Jahre auf 4100 Taler für den Umfang der Bürger-meisterei ausschließlich Raadt und Haarzopf; diese Orte gehörten zur KettwigerArmenpflege. Außerdem hatten die jüdischen Einwohner der Bürgermeisterei ihrebesondere Armenpflege.
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