der Pfarreien der Mülheimer Mairie ausführlich erörtert 1 ). Sein Bericht hat vor allemdie Tendenz, die Unentbehrlichkeit der vier Pfarreien dieser Mairie (1 reformierte,1 lutherische, 2 katholische) des längeren nachzuweisen. Die Mülheimer reformiertePfarre, die ihre Seelsorge über die ganze Stadt und über die fünfzehn ehemaligenHonnschaften erstreckt, umfaßt eine so bedeutende Seelenzahl, daß ihre Beseitigungganz außer Betracht bleiben muß. Wegen ihrer zentralen Lage eignet sich dieMülheimer Kirche, die als ein „hinlänglich geräumiges solides Gebäude" bezeichnetwird, ganz besonders zur Pfarrkirche. Infolge der starken Zunahme gerade ihrerKonfessionsverwandten hat statt eines dritten nicht ordinierten Wochenpredigers jetztein ordinierter Prediger angestellt werden müssen, „ein Factum, welches sehr ent-scheidend für die Unentbehrlichkeit des Predigerpersonalis dieser Konfession spricht."Sie ergebe sich ferner aus der Tatsache, daß der größte Teil der Pfarrkinder sporadischin den Honnschaften nach allen Richtungen zerstreut wohne. Dagegen sei es nichtnötig, für die Gemeinden Saarn, Broich und Speidorf auf der andern Seite der Ruhreine besondere Pfarre zu schaffen, da die Ruhr nur selten und nur kurze Zeit über dieUfer trete „und also wenig Hindernisse den geistlichen Verrichtungen der Protestantenin den Weg legt." Übrigens predigen die Mülheimer Pfarrer auch in Saarn undzwar in einem für Beerdigungszwecke bestimmten sog. Kirchhause. Noch angelegent-licher bemüht sich der Unterpräfekt im weiteren Verlauf, eine Einschränkung deskatholischen Kultus, wie sie eine Verminderung der Pfarrerzahl mit sich bringenwürde, abzuwehren. Es wird auch daran erinnert, daß die bestehende Mülheimerkatholische Kirche erst nach mühsamem Kollektieren des jetzigen Pfarrers hat errichtetwerden können. Die ganze katholische Pfarre ist eine Stiftung des gräflichen HausesStyrum. Aber auch abgesehen von diesem halb privaten Charakter dürfe hier, „ohnedem öffentlichen Wohl zu nahe zu treten", keine Veränderung Platz greifen. Nichtminder sei eine besondere katholische Pfarre in Saarn unerläßlich ; denn die MülheimerKirche sei zu klein, um die Saarner, Speldorfer und Broicher Katholiken mit auf-zunehmen. Außerdem dürfe man die ohnedies übergroße Arbeitslast des MülheimerPfarrers nicht weiter vermehren. Vor allem aber ist eine Aufhebung der SaarnerPfarre untunlich „wegen der Religions-Grundsätze dieser Kirche, wonach die heiligenSakramente, als letzte Oelung und Taufe, oft aufs schleunigste gereicht werdenmüssen, welches die Entfernung von Saarn nach Mülheim und der dazwischenliegendeRuhrstrom allerdings hindern würde", eine Begründung, welche besonders deutlichzeigt, wie rücksichtsvoll und vorsichtig die Regierungsbeamten gerade diese prekäreFrage behandelt haben. Für die lutherische Pfarre endlich wird derselbe Standpunkteingenommen, wobei wieder auf ihren privaten Charakter aufmerksam gemacht wird.Sie ist ursprünglich eine Fundation der Grafen von Broich, „wie denn der Pfarrer bisdiesen Augenblick Hofprediger der Landgräfin von Darmstädt und gehalten ist, beyAnwesenheit auf Erfordern den Gottesdienst in der Schloß-Capelle abzuhalten". Essoll also im wesentlichen alles beim alten bleiben. Nur die Honnschaften Haarzopfund Raadt, die bisher nach Kettwig eingepfarrt gewesen sind 2 ), sollen, um dasZusammenfallen der Pfarrei- mit den Mairiegrenzen zu bewirken, zu Mülheim gezogenwerden. Wie der Unterpräfekt für Mülheim sonst die denkbar konservativste Haltungempfiehlt, so warnt er schließlich auch ganz allgemein vor einer zu energischenDurchführung der neuen Organisation der Pfarrbezirke. Insbesondere nimmt er sich
!) D.C. No. 654.
2 ) „Weil die Kettwiger Gemeinde früher als die Mülheimer die Reformation annahm."Topographie der Pfarrbezirke vom 13. Dz. 1809: D. C. Nr. 675.
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