Bandlll. Spez. Theil.
Kasuistik.
1193
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
252.
A. M., Unteroffizier vom 6. West-fälischen Infanterie-RegimentNo. 55,verwundet am 27. September 1870:Bruch des rechten Schienbeins immittleren Drittel durch Gewehr-schuss. Eingangsöffnung aussenhinten; Ausgangsöffnung innenvorn.
Wegen starker Blutung wird auf dem Schlachtfelde eine Ader-presse angelegt. Die Eingangsöffnung stellt einen mehrere Centi-meter langen Hautriss dar, aus welchem die Wadenmuskulaturhervorquillt. Das Schienbein ist 6 cm weit zertrümmert, zahlreicheKnochensplitter und Bleistückchen werden entfernt; in der Tiefesieht man die vordere Schienbeinschlagader pulsiren. Drahthose,Karbolsäure, Eis. Am 8. Tage stellen sich neben starkerJauchung Durchfälle ein und 2 Tage später hohes Fieber, Schwer-hörigkeit und Kopfschmerz. Den raschen Kräfteverfall be-schleunigen am 16. und 17. Tage aufgetretene starke Blutungen,so dass schon nach weiteren 4 Tagen unter septicämischenErscheinungen der Tod erfolgte.
21 Tage.
253.
G. M., Unteroffizier vom 3. Ost-preussischen Grenadier - RegimentNo. 4, verwundet am 18. Januar1871: Bruch des rechten Schien-beins im mittleren Drittel durchGewehrschuss. Eingangsöffnungvorn, Ausgangsöffnung hinten.
Aus der Eingangsöffnung werden Splitter entfernt, doch ist dieSplitterung nicht bedeutend. Die anfängliche Schwellung geht inder 2. Woche vollständig zurück, die Eiterung ist zwar reichlich,aber gutartig und der Allgemeinzustand ausgezeichnet. Im Gyps-verband geht die Kallusbildung rasch vor sich; am 29. Tage kanndeutliche Knochenneubildung festgestellt werden. Während desbesten Wohlbefindens befällt am 36. Tage den M. eine rechtsseitigeLungenentzündung der beiden oberen Lappen, der er nach5 Tagen erliegt.
1 '/2 Monate.
254.
W. M. I., vom 2. HanseatischenInfanterie - Regiment No. 76, ver-wundet am 4. Dezember 1870 beiOrleans: Bruch des rechten Schien-beins im unteren Drittel durchGewehrschuss. Eingangsöffnunghinten innen, Ausgangsöffnungvorn aussen von der Schienbein-kaute.
Zahlreiche Eiterherdbildungen stören in den ersten 4 Wochenden Verlauf; von da ab bis zur 8. Woche nach Entfernung einesSequesters (5. Woche) leidliches Wohlbefinden. In der 8. Wochebeginnt M. zu fiebern und reichliche Schweisse stellen sich ein.Acht Tage später ist M. von gelber Hautfärbung und klagt überSchmerzen im Schultergelenk und zeitweise auftretendes Frösteln,ohne dass die Wunde ihr gutes Aussehen verloren hätte. Nachwenigen Tagen wird im rechten Schultergelenk ein deutlicherErguss festgestellt, Hautemphysem in der Umgebung, aus-gesprochene Schüttelfröste folgen. Am 72. Tage erliegt M. derPyämie.
2 '/j Monate.
255.
H. N., vom 2. Thüringischen In-lanterie - Regiment No. 32 , ver-wundet am 18. Oktober 1870:Bruch des linken Schienbeins imunteren Drittel durch Gewehrschuss.Einsangsöffnung aussen, Ausgangs-öffnung innen. Ausserdem Fleisch-schuss durch die rechte Wade.
Die Ausgangsöffnung hat 5 cm im Durchmesser; beim Ausspülender Wunde werden häufig Splitter ausgespült. Am 5. Tage be-ginnt leichtes Fieber, am 10. Tage wird eine starke Blutung durchDruck und, da sie 3 Tage später wiederkehrt, durch Umstechungund Unterbindung des Gefässes in der Wunde gestillt. N. ist durchden Blutverlust so erschöpft, dass er noch am gleichen Tage stirbt.
'/a Monat.
256.
F. St., vom 2. Posenschen In-fanterie-Regiment No. 19, verwundetam 19. Januar 1871 am Mont Va-lerien; Splitterbruch des rechtenSchienbeins im unteren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung vorn, Ausgangsöffnunghinten.
Entfernung von Splittern; am 4. Tage wird aus der Wade dasstark missgestaltete Geschoss sammt dem Zündspiegel entfernt.Drei Tage später tritt bei gutem Aussehen der Wunde Kiefer-klemme auf, welcher St. nach 2 Tagen erliegt.
9 Tage.
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.
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