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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1149
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Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1149

LaufendeNo.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

71.

W. P., vom 2. Rheinischen In-fanterie-Regiment No. 28, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Absprengung der rechten innerenSchienbeinkante im unteren Drittel.Eingangsöffnung innen, Ausgangs-öffnung fehlt.

Ein grosses Stück ist abgesprengt. Nach Entfernung des Ge-schosses und der Knochensplitter wird der Unterschenkel eingegypstund bis zum 47. Tage im Gypsverbande gelassen. Ende des2. Monats werden mehrmals Splitter, auch noch ein Kugelstückentfernt, worauf die Heilung unbehindert am 21. Januar 1871 zuStande kommt. Auftreibung und Steifigkeit im Schienbein-Fuss-wurzelgelenk.

5 Monate.

72.

K. R., vom 2. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte: Verletzung deslinken Schienbeins im mittlerenDrittel durch Granatschuss. Ein-gangsöffnung innen, Ausgangs-öffnung fehlt.

Am 11. Tage wird ein erbsengrosser Gewebsverlust an der Innen-seite des Schienbeins bemerkt; zwei kleine in der Knochenwundesich befindende Eisensplitter werden an demselben Tage entfernt.Zwei Tage später Herausnahme eines dritten Granatsplitters ausder stark schmerzenden Wunde. Die Knochenlücke füllt sich durchüppige Granulation, die Vernarbung geht ohne Störung von statten.Heilung am 4. November 1870. Geringe Knochenauftreibung.

2 7-' Monate.

73.

v. Seh., Hauptmann: Gewehr-schuss durch den unteren Theil desSchienbeins, eine Hand breit überdem Fussgelenk. WahrscheinlichStreifung des Wadenbeins.

1887: Beweglichkeit im Fussgelenk leicht behindert. Schwellungdes Beins nach längerem Gehen oder Anstrengungen überhaupt.Stärkere Ausdehnung der Blutadern in der Umgebung der Narben.(Siehe Tafel G.)

74.

A. Seh., vom Sächsischen 2. Grena-dier-Reg : ment (Kaiser Wilhelm,Koiiig von Preussen) No. 101, ver-wundet am 30. August 1870 beiBeaumont: Streifschuss am rechtenSchienbein im mittleren Drittel.Eingangs- und Ausgangsöffnunginnen.

An der Innenfläche des Schienbeins befindet sich ein kleinerGewebsverlust, welcher erst längere Zeit nach eingetretener Ver-narbung durch Knochengranulationen sich verkleinert. Entlassungam 17. Oktober 1870. Eindruck im Schienbein ist noch zu fühlen,Knochen ringsherum etwas aufgetrieben.

l 3 /5 Monate.

75.

K. Seh., vom BrandenburgischenFüsilier-Regiment No. 35, verwundetam 16. August 1870 bei Mars laTour: Verletzung des Schienbeinsim oberen Drittel durch Gewehr-schuß s. Eihgangsöffnung vorn, Aus-gangsöffnung hinten.

Die Kugel traf an der vorderen Sohienbeinkante auf und sprengtean der Aussenseite des Knochens ein grösseres Stück ab. Währenddes langwierigen Verlaufes kam es wiederholt zu Splitterentfernungen,ausgedehnten Zellgewebsentzündungen und Eitersenkungen imBereiche des ganzen Unterschenkels. Im 12. Monat bestand nocheine tiefe Knochenfistel, welche erst am 7. März 1872 heilte, nach-dem im 17. Monat ein 3 cm langer, abgestorbener Splitter entferntworden war. Umfangreicher Kallus. Muskulatur theilweise ge-schwunden, Zehen in Sohlenbeugung. Das Gehen nur mit Krückenmöglich.

18 2 /ä Monate.

76.

K. Seh., vom Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Verletzung des Schienbeinsim oberen Drittel durch Gewehr-schuss. Eingangsöffnung hinten,Ausgangsöffnung vorn, unterhalbdes Schienbeinkopfes. (?)

Der Unterschenkel wird wegen Absplitterung des Schienbeins inPappverband gelegt. In den ersten 14 Tagen werden Splitter theilsentfernt, theils stossen sie sich selbst aus der Ausgangsöffnung aus.In der 6. Woche kommt es zur Bildung von Eiterherden längs desSchienbeins und zur Anschwellung des Knies, welche letztere nachEntleerung des Eiterherdes und Feststellung des Gliedes im Gyps-verband rasch verschwindet. In der 7. Woche auftretende luetischeErscheinungen werden durch Schmierkur in 4 Wochen beseitigtund beeinträchtigen den Wundverlauf nicht. Auf die in der13. Woche vorgenommene Splitterentfernung folgt zwar Vernarbung,doch stellt sich bald fistulöse Eiterung ein, welche lange Zeit inwechselnder Stärke anhält, bei der Entlassung am 24. Juli 1871jedoch beseitigt ist.

7 73 Monate.