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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Pusses.

Band III. Spez. Theil.

LaufendeNo.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

66.

B. L., verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-verletzung des rechten Unterschen-kels.

Befund am 14. November 1871: Dauernd ganzinvalide, zeitiggänzlich erwerbsunfähig, zeitig unfähig zur Verwendung im Zivil-dienst, zeitig verstümmelt auf 2 Jahre.

In der Folgezeit besserte sich der Zustand, so dass

1873 die Verstümmelung nicht mehr angenommen wurde, obschonstets noch Knocheneiterung bestand.

1886 wurde in der Charite zu Berlin versucht, den erkranktenKnochen zu entfernen. Der Kranke verliess die Anstalt gebessert,es fand nur noch geringe Eiterung aus der Einschussöffnung statt.Nach der Entlassung bildeten sich wieder sehr schmerzhafte Ge-schwüre in der Gegend der vorderen Schienbeinfläche, die am20. November 1886 noch bestehen. Massige Infiltration der Haut,Empfindlichkeit bei Druck. Eiterabsonderung aus der Einschuss-öffnung. Es ist anzunehmen, dass die Geschwüre mit der Knochen-erkrankung in Verbindung stehen.

67.

K. M., vom 2. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 16. August 1870hei Mars la Tour: Granatsplitter-verletzung des rechten Schienbeins.

Befund am 23. August 1884: Dicht unterhalb des rechten Knie-gelenks an der Innenseite eine fast quer verlaufende, 2 bis 3 cmbreite, 6 cm lange, etwas vertiefte Hautnarbe; dieselbe ist mit demunterliegenden inneren Gelenkknorren, welcher einen rinnenförmigenGewebsverlust zeigt, fest verwachsen. Die Narbe, bei Berührungempfindlich, spannt sich bei starker Beugung und Streckung desKniegelenks, ruft dadurch Schmerzen hervor und beeinträchtigtetwas die Beweglichkeit des Gelenks. Die Muskulatur beiderseitsgleich stark entwickelt.

68.

M. M., vom 4. Pommerschen In-fanterie-Regiment No. 21, verwundetam 19. September 1870 bei Chevilly:Verletzung des rechten Schienbeinsim unteren Drittel durch Gewehr-schuss. Eingangsöffnung aussen,Ausgangsöffnung fehlt.

Die Kugel drang aussen vor dem Wadenbein in den Unterschenkelein, verursachte einen quer in das Schienbein führenden Schuss-kanal und blieb vermeintlich in dem Schienbein stecken. Der ander Innenseite gemachte Einschnitt führte nur zur Entfernung vonKnochensplittern, nicht aber des Geschosses. Am 7. Oktober istder ganze Unterschenkel stark geschwollen, es bestehen heftigeSchmerzen, reichliche Eiterung. Das Allgemeinbefinden leidet durchsehr hohe Temperaturen. Am 10. Oktober wird eine Eitersenkungeröffnet und 2 Tage später ein dicker Sequester, entfernt, woraufdie Sonde quer durch das ganze Schienbein sich "hindurchführenlässt. Von jetzt ab ist der Verlauf gut und führt sch>»^bis3uu>2. November 1870 Vernarbung der Wunden und gute KnotJPn-neubildung herbei. (Vergl. v. Beck, S. 723, No. 5.)

~-^^

69.

F. M., vom 3. Garde - Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Verletzungdes Schienbeins im oberen Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung 5 cm unterhalb des Schien-beinhöckers, Ausgangsöffnung fehlt.

Das Geschoss wurde am 28. Tage nachgewiesen, entfernt undein Karbolglyzerinverband angelegt. Im 2. Monat stiessen sichSplitter ab. Am 20. Februar 1871 wurde M. geheilt entlassen.

6 Monate.

70.

J. N., vom Bayerischen 11. In-fanterie-Regiment (von der Tann),verwundet am 4. Oktober 1870:Verletzung des Schienbeins imoberen Drittel durch Gewehrschuss.Eingangsöffnung 3 cm unter demSchienbeinhöcker, Ausgangsöffnungaussen unterhalb der Eingangs-öffnung.

Das Schienbein ist gestreift und in geringer Ausdehnung frei-gelegt. Am 11. Tage befällt N. eine fibrinöse, linksseitige Lungen-entzündung, welche regelmässig verläuft. Auf der Höhe der Krank-heit hört die Wundabsonderung auf, ohne dass die Wunden selbstein schlechtes Aussehen bekommen. Ende der 5. Woche wird einKnochensplitter entfernt und am 2. Dezember 1870 N. bei treff-lichem Allgemeinbefinden mit nahezu geheilten Wunden entlassen.

2 Monate.