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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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X. Kapitel: Verwundungen des Oberschenkels.

Band 111. Spez. Theil.

LaufendeNo.

506.

507.

508.

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

U., vom Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Splitterbruch des rechtenOberschenkels im unteren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung innen, Ausgangsöffnungaussen. Ausserdem Gewehrschussin die rechte Wade und Knochen-verletzung ohne Bruch im mittlerenDrittel des linken Oberschenkels.Eingangsöffnung innen, Ausgangs-öffnung fehlt.

V. , vom Grenadier - RegimentKönig Friedrich Wilhelm IV(1. Pommersches) No. 2, verwundetam 17. Januar 1871: Splitterbruchdes linken Oberschenkels im unterenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung vorn.

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.

Rechter Oberschenkel und rechtes Kniegelenk stark geschwollenund schmerzhaft. Aus der Ausgangsöffnung ragten Knochenstückehervor. Hochlagerung; Eisblase. Links Karbolsalbe (1 : 50). Am7. Tage wurden links 7 kleine Knochensplitter entfernt. Anfangsder 2. Woche waren sämmtliche Wunden in guter Eiterung begriffen;links gingen mit dem Eiter viele kleine Knochenstückchen ab. Inder 5. Woche wurde die Absonderung links blutig-jauchig. RechtsGypsverband am Ober- und Unterschenkel, so dass die Kniegegendfrei blieb; beide Theilstücke durch 2 seitliche starke Schienen ver-bunden. In der 6. Woche bildete sich vorn eine harte, durchtränkteStelle, aus welcher durch Einschnitt die plattgedrückte Kugel ent-fernt wurde. Der Wadenschuss geheilt. Am rechten Schenkel wurdedie Eiterung gleichfalls reichlich und jauchig. In der 7. Wochetraten sehr häufige Durchfälle ein. Fortschreitende Verjauchungin dem zwischen den Muskeln liegenden Bindegewebe links bis zurLeistengegend. Unter anhaltenden Durchfällen, Jauchung und Ent-wicklung einer entzündlichen Infiltration der rechten Lunge, hohemFieber, wilden Delirien trat am 21. Januar 1871 der Tod ein.Septicämie.

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

51 Tage.

Unglücksfall, entstanden durch Hinfallen des Vordermannes, dessenGewehr sich entlud. Drahthose. Unter bedeutenden Schmerzenentstand eine starke Schwellung des Oberschenkels und ein grosserEiterherd aussen, der am 7. Tage von selbst aufbrach. Der am6. Tage angelegte Gypsverband musste am 8. Tage wegen Druck-erscheinungen mit doppeltgeneigter Ebene vertauscht werden. Andemselben Tage wurde aus einem grossen Eiterherd die platt-gedrückte Kugel entfernt. Die Eiterung nahm bald üblen Geruchan. Am 12. Tage entstand plötzlich eine starke Blutung, diedurch halbstündigen Fingerdruck auf die Oberschenkelschlagadergestillt wurde. Darauf schwoll das inzwischen abgeschwollene Beinvon Neuem stark an. Die Blutungen wiederholten sich täglichbis zu dem am 3. Februar 1871 erfolgten Tode

Sektion: Sehr bedeutende Zerschmetterung des Oberschenkel-knochens im unteren Drittel. Zerreissung der tiefen Oberschenkel-schlagader.

I

W., vom 3. Garde-Grenadier-Regiment Königin Elisabeth, ver-wundet am 30. Oktober 1870 beiLe Bourget: Gewehrschussbruchdes linken Oberschenkels im unterenDrittel. Eingangsöffnung aussen5 cm über der Kniescheibe, Aus-gangsöffnung fehlt.

509.

H., vom 1. Grossherzoglich Hessi-schen Infanterie- (Leibgarde-) Regi-ment No. 115, verwundet am16. August 1870 bei Mars laTour:Gewehrschussbruch des rechtenOberschenkels im unteren Drittel.Ausgangsöffnung fehlt.

Anfangs starke Schwellung. Doppeltgeneigte Ebene; Karbolöl.Am 9. Tage ergab eine Fingeruntersuchung die Anwesenheit derKugel an der hinteren Fläche des oberen Bruchstücks. DerKnochenbruch verlief schräg von hinten oben nach vorn unten ohneSplitterung. Nachdem die Kugel entfernt worden war, wurde dieSchwellung noch stärker, die Eiterung übelriechend; es entwickeltensich Eitersenkungen am Oberschenkelknochen entlang. HohesFieber. Durchfälle. Irrereden. Tod am 23. November 1870 anSepticämie.

Seitenlage; doppeltgeneigte Ebene. In der 1. Woche entwickeltesich bedeutende Entzündung des Zellgewebes in der Kniekehle; am13. und 22. Tage durch Einschnitt grosse Mengen Jauche entleert.Vorübergehend starke Durchfälle. Am 27. Tage wurde oberhalbder Kniekehle die Kugel herausgeschnitten. In der 5. Wocheerfolgte aus einer an der Aussenseite des Oberschenkels gemachtenGegenöffnung eine starke Blutung. In der 6. Woche Gyps-verband. Die Eiterung wurde in der Folge reichlich und stärkerjauchig. Tod am 12. Oktober 1880 an Septicämie.

18 Tage.

8 Wochen.