Bandlll. Spez. Theil.
Kasuistik.
1111
LaufendeNo.
496.
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
S., vom 1. Badischen Leib-Gre-nadier-Regiment No. 109, verwundetam 30. Oktober 1870 bei Dijon:Splitterbruch des linken Ober-schenkels im unteren Drittel durchGewehrschuss.
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.
Massige Verkürzung durch Verschiebung. Während der erstendrei Wochen gutartige Eiterung und gutes Allgemeinbefinden.Darauf Anschwellung des Kniegelenks, schlechte Eiterung. Vom25. Tage ab traten öfter wiederkehrende Schüttelfröste auf. Am34. Tage Einschnitt an der äusseren Seite des Oberschenkels undEntfernung von sechs grossen Knochenstücken. Am 33. Tagemachten sich die ersten Anzeichen von Kieferklemme bemerkbar,welche bei zunehmender Verjauchung, trotz Morphium in grossenDosen, langsam fortschreitend am 6. Dezember 1870 zum Tode führte.Septicämie.
Sektion: Bedeutende Zerschmetterung des unteren Drittels desOberschenkels. Grosse mit Jauche und Knochensplittern gefüllteHöhle um die Bruchenden. Nachträgliche Eröffnung des Knie-gelenks. Metastatische Herde in den Lungen.
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
38 Tage.
497.
S., vom 3. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte: Splitterbruch desrechten Oberschenkels im unterenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung vorn, Ausgangsöffnunghinten. Ausserdem: 1) Schuss indas linke Kniegelenk; Kugel steckt.
2) Schuss an den Hodensack.
3) Fleischschuss in den rechtenOberschenkel.
Gypsverband. Nach 14 Tagen waren die Wunden in sehr starkerEiterung begriffen; im linken Kniegelenk hatte sich eine heftigeEntzündung gebildet. Unter gleichzeitigen häufigen Durchfällen ver-fiel S. bedeutend. Am 14. Tage wurde die Kugel links neben derKniescheibe entfernt; Drahthose und Karbolverband beiderseits;später wieder vorübergehend Gypsverband mit Fenstern. Anfangder 5. Woche begannen die Schüttelfröste, welche mit Chinin-einspritzungen bekämpft wurden. Zuletzt durchbohrte ein Knochen-splitter die Haut in der rechten Kniekehle; am linken Knie bracheine Eitersenkung von selbst auf. Tod am 22. September 1870an Pyämie.
Sektion: Das untere Bruchstück des rechten Oberschenkel-knochens besteht fast nur aus den Knorren und einem vielfach ge-splitterten , etwa 3 cm langen Ansatz des Knochenschaftes; dasobere, in viele bis zur Mitte des Oberschenkelknochens reichendeSplitter zersprengt, durchbohrt mit dem am meisten nach hintengelegenen Ende die Haut 6 cm über der Kniekehle. Um die Bruch-stelle ein massiger Eitersack. Kniegelenk frei. —• Am linken Knie-gelenk: flache Rinnen im inneren Oberschenkelknorren und derInnenseite der Kniescheibe. Knorpel vollständig zerstört. Eiter-senkungen nach oben'und unten.
36 Tage.
Seh., vom 3. OstpreussischenGrenadier - Regiment No. 4 , ver-wundet am 14. August 1870 beiColombey — Nouilly: Splitterbruchdes rechten Oberschenkels im unterenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-J gangsöffnung handbreit über derI Kniescheibe, keine Ausgangsöffnung.
Bei der Aufnahme ins Lazareth bestand Rose, weshalb man vonder in Aussicht genommenen Gliedabsetzung Abstand nahm. Doppelt-geneigte Ebene; später feuchte Umschläge. Im Verlaufe bildetensich öftere Eiterverhaltungen und -Senkungen, welche Ende der2. Woche -und in der 4. Woche eröffnet wurden; bei dem zweitenEinschnitt Entfernung der Kugel mit Knochensplittern und Tuch-fetzen. In der 6. Woche Streckapparat. Im weiteren Verlauf trathektisches Fieber und starker Durchfall auf. Tod am 6. Ok-tober 1870 an Pyämie.
9 Wochen.
499.
Seh., vom GrossherzoglichMecklenburgischen Grenadier-Regi-ment No. 89, verwundet am 2. De-zember 1870 bei Loigny: Gewehr-schussbruch des linken Oberschenkelsim unteren Drittel. Eingangs-öffnung hinten, Ausgangsöffnung
Schienenverband. Von der 2. Woche ab wurde die Eiterungreichlich, blieb aber gutartig. Am 20. Tage erfolgte eine heftigearterielle Blutung aus der Eingangswunde, die sich am folgendenTage wiederholte. Blutstillungsversuche mit Eisenchloridlösungblieben erfolglos. Tod am 25. Dezember 1870.
24 Tage.