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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1109
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rheil.

Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1109

lerr

eth-ilung.

LaufendeNo.

487.

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

L., vom Sächsischen Garde-Beiter-Begiment (Johann), verwundet am5. November 1870: Splitterbruchdes linken Oberschenkels im unterenDrittel durch Gewehrschuss. KeineAusgangsöffnung.

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.

Die Kugel steckte im Knochen. Von Entfernung derselben wurdeAbstand genommen, weil zur Zeit im Lazareth Hospitalbrandherrschte. Gypsverband. Beim Verbandwechsel in der 6. Wochefühlte man die Kugel in dem weichen Kallus, entfernte sie jedochauch jetzt nicht, um die Knochenvereinigung nicht zu stören.Druckbrand am Kreuzbein und an der Ferse. In der 11. Wochewurde der Gypsverband wegen Schmerzen und teigiger Schwellungmit Schienenverband vertauscht. Im 3. Monat Zunahme der Eiterung;übler Geruch der Absonderung zwang zu häufigem Verbandwechsel.Gefenstertej Gypsverband mit Beckengurt; in der 13. Woche Draht-hose, Karbolsäureverband; später offene Wundbehandlung; Aus-spülen mit Karbollösung. Im 4. Monat Bronchialkatarrh. Anhaltendhohes Fieber. Zunehmende Jauchung und stark teigige Schwellungdes Oberschenkels. In der Umgebung der Wunde stiessen sichbrandige Fetzen ab. Die Druckbrandstellen nahmen gleichfalls einschlechtes Aussehen an und wurden sehr empfindlich. Unter Zu-nahme aller Erscheinungen wurde L. bewusstlos und starb am14. Februar 1871. Sepsis.

Sektion: Linker Ober- und Unterschenkel teigig, blutroth ge-färbt. Von der Wunde erstreckten sich fistulöse Eitergänge nachverschiedenen Eichtungen, einer öffnete sich in das Kniegelenk.Der Oberschenkelknochen an der Bruchstelle bedeutend aufgetriebenund mit sehr vielen grossen (bis 8 cm langen) und kleineren Knochen-splittern umgeben. Der Bruch durch Kallus ziemlich fest vereinigt,in Winkelstellung von etwa 110°. Die im Knochen vermutheteKugel fand sich 8 cm oberhalb des Knies an der Innenseite ganzfreiliegend und stark abgeplattet. Die umgebenden Muskeln warenstark teigig geschwollen und wie knorpelig entartet. Die Lungenstark geschwollen, blutarm, an einigen Stellen entzündlich durch-tränkt. In den feineren Bronchien fast überall Eiterauflagerungen.Die übrigen Organe ohne Veränderung.

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

14 Wochen.

490.

m 2. Garde-Begiment zuverwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Schussbruchdes linken Oberschenkels. Eingangs-öffnung über der Kniescheibe, Aus-gangsöffnung innen. Ausserdem:Blinder Schusskanal innen am rech-ten Oberschenkel, Granatstreifschussan die linke Hüfte und Fleischschussan die linke Schulter.

L., vom 1. NiederschlesischenJnfanterie - Regiment No. 46, ver-wundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschussbruch deslinken Oberschenkels im unterenDrittel.

M., vom 1. Hanseatischen Infan-terie-Regiment No. 75, verwundetam 9. Dezember 1870 bei Beau-gency Cravant: Gewehrschuss-bruch des rechten Oberschenkelsim unteren Drittel. Eingangsöffnunginnen, Ausgangsöffnung aussen ne-ben dem Köpfchen des Wadenbeins.

Drahtschiene; Karbollösung. Schiefe Ebene und Streckung wurdennicht ertragen. Von der 2. Woche ab reichliche Eiterung, Schlaf-losigkeit. In der 3. Woche bildete sich eine Eitersenkung an derInnenseite des linken Kniegelenks, welche am 18. Tage am Knieeröffnet wurde; ein Kugelstück wurde daraus entfernt; Erguss insKniegelenk. Drainage. Zuletzt kamen Erscheinungen von Lungen-entzündung hinzu. Tod am 13. September 1870 an Septicämie.

Zuerst 4 Tage im Gypsverband ohne Fenster, dann einfacheLagerung; übermangansaures Kali und Chlorkalk; Eis. Am 8. Tagewurde ein plattgedrücktes Kugelstück herausgeschnitten; hieraufbildete sich eine starke teigige Anschwellung des Beins. StarkeEiterung verzehrt die Kräfte des L. Tod am 26. August 1870.

Drahthose; Karbollösung. Keine Verwachsung. Grosse Blutleere.Reichliche übelriechende Eiterung und Schüttelfröste vom 17. Tageab. Unter Schluckkrampf und Irrereden erfolgte der Tod anPyämie am 2. Januar 1871.

27 Tage.

21 Tage.

25 Tage.