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IX. Kapitel: Verwundungen des Unterarms und der Hand.
Band III. Spez. Theil.
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
313.
G. K., Sekondlieutenant der Re-serve, verwundet am 16. August1870 bei Mars la Tour: Gewehr-schuss in die rechte Hand. Ein-gangsöffnung an der Rückenseitedes Zeigefingerknöchels. Ausgangs-öffnung an der Kleinfingerseite dichtunter dem Handgelenk. Sämmtliche4 Mittelhandknochen zerschmettert.
20 bis 25 Knochensplitter entfernt. Heilung trat bis Januar 1871ein. Attest vom 23. Oktober 1871: Alle 4 Mittelhandknochen sinddurch Auftreibungen, Defekte und Verschiebungen verkrüppelt.Dauernd ganz invalide. K. lebt noch 1887.
5 Monate.
314
A. L., vom Sächsischen Leib-Grenadier-Regiment No. 100, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschussbruch desrechten 1. und 2. Mittelhand-knochens.
Bis zum Oktober 1870 Heilung ohne Unterbrechung, dann Rosevon der Wunde ausgehend und bis auf das untere Drittel desUnterarms sich erstreckend. Anfang November ist die Rose ge-schwunden. 10. Dezember wird L. in Privatpflege entlassen.
3 2 /3 Monate.
315.
F. L., vom 1. Westfälischen Infan-terie - Regiment No. 13, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussbruch des rechten3. Mittelhandknochens.
Starke Schwellung, die bis zum 29. August 1870 anhält; dannBesserung, so dass L. am 2. September nach Deutschland über-geführt werden kann. Während des Wundverlaufs wurde L. vonTyphus, im Mai 1871 auch von Pocken befallen. 25. Juli geheiltentlassen.
10 Monate.
316.
W. M., vom 1. ThüringischenInfanterie - Regiment No. 31, ver-wundet am 30. August 1870 beiBeaumont: GewehrschussVerletzungder rechten Hand.
Attest vom 26. September 1871: Auftreibung des 2. und 3. Mittel-handknochens der rechten Hand, Steifheit des rechten Zeigefingers.11. Januar 1872 als dauernd ganzinvalide und dauernd theilweiseerwerbsunfähig anerkannt. Ende 1885 epileptische Anfälle, Sprach-und Bewegungsstörungen. Am 26. November 1885 soll der ersteAnfall aufgetreten sein, seitdem sich fast täglich wiederholt habenunter schneller Abnahme der geistigen und körperlichen Kräfte.Am 25. Februar 1886 in Hettstedt: Dehnung des Arninerven-geflechts. Am 21. Februar: Krampfanfall nach dem Verband-wechsel: der rechte Arm wurde vorgestreckt, sodann durch stoss-artige Bewegungen abwechselnd sehr schnell gebeugt und gestreckt.Nach einigen Sekunden machte die rechte untere Gliedmaasse ähn-liche Bewegungen, schliesslich wurde der Kopf stossweise nachrechts und hinten gezogen, zuletzt trat Opisthotonos ein und all-gemeine Zuckungen. Das Bewusstsein war erloschen, die Athmungerschwert, von Luftröhren- und Kehlkopfrasseln bpgleitet. DerAnfall dauerte etwa 3 bis 5 Minuten.
Objektiver Befund: M., ein starker Mann mit gutem Fett-polster, sitzt theilnahmlos da, starrt auf einen Fleck und giebt aufeinfache Fragen keine oder falsche Antworten. Der rechte Arm,der ganz kraftlos ist, wird in einem Schultertuch getragen. Dierechte Hand und Unterarm sind ödematös geschwollen. SämmtlicheKörperbewegungen gehen äusserst langsam von statten. Der Gangist schleppend; mit der linken Hand stützt sich M. auf einen Stock.Er ist nicht im Stande, sich selbst anzukleiden, das Essen zumMunde zu bringen, bei Entleerung des Darms und der Blase sichselbst zu helfen. Die Sprache ist lallend, verschiedene Worte ver-mag M. nicht zu treffen.
Nachdem noch Erblindung hinzugetreten, starb M. am 21. Ja-nuar 1887.